Fränkisch-baierischer Briefwexel 2

Lieber Frieder, fränkischer Freund der im hessischen Exil weilt,

mit Spannung erwartete ich Deinen angekündigten ersten Brief. Zur Beantwortung habe ich mir einige Tag Zeit gelassen, um in Ruhe nachzudenken. Diesen Brief habe ich schon einige Tage zuvor geschrieben und jeden Tag, wenn ich ihn noch einmal las, strich ich wieder etwas oder fügte anderes hinzu. Sollte ich ihn noch ein paar Tage liegen lassen, würde ich ihn wahrscheinlich noch ein paar Mal ändern. Daher schicke ich ihn heute einfach ab und denke, wir werden noch einige Briefe wexeln, in denen ich/wir unsere Gedanken ausführlich darlegen können.

Für manchen dürften einige Deiner Gedanken befremdlich sein, vor allem der Gedanke über die Unabhängigkeit Bayerns. Gehört doch Bayern schon immer zur BRD, was anderes gab es doch nie, so der Wissensstand vieler Zeitgenossen, Schulen und Medien tragen das ihre bei. Dass Bayern die längste Zeit unabhängig war und als mittlere europäische Großmacht wirkte, ist Schnee von gestern, weitgehend vergessen oder unter dem Müll der modernen Propaganda und Gehirnwäsche vergraben. Auch war Bayern schon „etwas“, bevor die Wittelsbacher sich Franken, mit französischer Unterstützung, einverleibten, stellten wir doch auch schon einen deutschen Kaiser.
Dass Bayern auch nicht immer ganz glücklich mit den Franken war, zeigen u. a. die beiden Sprüche:
„Man muss Gott für alles danken, auch für Unter-, Ober- und Mittelfranken“ oder „Einem geschenkten Franken schaut man nicht ins Maul“. Aber Spaß beiseite.

Die Oberpfälzer sind natürlich Baiern, wenn sie auch auf Grund der damaligen Machtverhältnisse anders benannt wurden. Das sind halt Überbleibsel aus vergangener herrschaftlicher Zeit. Daran sollten wir uns nicht aufhängen.

Dass Franken, wie auch Schwaben oder Zugereiste in Bayern etwas zu sagen haben, auch an verantwortlicher Stelle, zeigt den Charakter von der Baiern, wir lassen auch gerne mal andere für uns arbeiten, selbst Preußen.
Ich möchte aber hier nicht spalten, wir sind Bayern, mit unterschiedlichem Herkommen zwar aber einem gemeinsamen Staat, in dem wir uns recht gut eingerichtet haben. Dass sich so viele Preußen in Bayern wohlfühlen und in unser Land reisen, als wäre es das gelobte, kann auch daher kommen, dass in früheren Zeiten Bayern, Salzburger etc. nach Preußen auswanderten und die märkische Sandbüchse urbar machten. Bei genügender Ahnenforschung könnte man hier vielleicht baierische Ahnen ausfindig machen. Vielleicht ist dies Ausdruck eines inneren, unbewussten Heimwehs.
Eingewanderte Preußen, wie andere Zugereiste auch, sollten sich mit den bayerischen Verhältnissen anfreunden und sich nicht über die angeblich so rückständigen Bayern lustig machen oder gar meinen, sie wären gar schlauer, nur, weil sie, vor allem manche Kernpreußen, schneller reden als sie denken können. Manches Wort von diesen Schnellrednern tröpfelt halt direkt von der Nase in das große Maul, ohne im Hirn einen Zwischenstopp einzulegen. Mancher dieser Besucher verwandelte auf diese Art seinen Urlaub in eine Art Abenteuerurlaub, wenn er an die oder den richtigen kam und bekam die bayerische Herzlichkeit zu spüren oder wie man bei uns auch sagt, 100 Gramm von der Groben.

Nun aber wieder zurück zum Hauptanliegen, der Unabhängigkeit Bayerns von der BRD, nicht von Deutschland, damit sind wir ewig verbunden. Da wird sich auch für manchen Zugereisten etwas ändern, er wird sich entscheiden müssen, wie wir auch. Wollen wir ihn oder nicht. Wir entscheiden, das dürfte klar sein.

Sezession bedeutet Abspaltung oder Abseitsgehen. Wobei Bayern sich nicht von der BRD abspalten müsste, sondern nur loslösen. Spalten kann man nur eine Einheit, eine Einheit waren Bayern und die BRD niemals, zu keiner Zeit, wir waren immer ein selbstständiges Land, dessen Landtag der Geltung des Grundgesetzes, wahrscheinlich unter amerikanischer Nachhilfe, auch für Bayern zustimmte, es aber zuvor ablehnte.
Es wurde vom Landtag beschlossen, so könnte dies auch durch den Landtag wieder rückgängig gemacht werden. Eine Verfassung haben wir bereits, von der Seite her ist also alles in bester Ordnung. Nur mit der Aus- und Durchführung hapert es noch.
Selbst in der Zeit des Bismarck´schen Reiches, war Bayern, wie auch die anderen Länder, selbstständig und nur in manchen Fragen dem Reich unterstellt. Wobei der Kaiser nur der Erste unter Gleichen war, der als König von Preußen im Bundesrat Stimmrecht besaß und über den Reichskanzler im Deutschen Reich politisch wirken konnte.
Dieses Reich könnte als Vorbild dienen aber dahin ist ein weiter, weiter Weg und derzeit absolut nicht spruchreif.
Aus dem zerschlagenen Reich ging die, von allen ungeliebte und daher auch sang- und klanglos untergegangene Weimarer Republik hervor, die erste Verliererrepublik die unter dem „Schirm“, Einfluss und Diktat der Siegermächte entstand, doch auch in dieser Republik war Bayern noch in vielen Fragen eigenständig, wenn auch schon stärker dem Zentralstaat unterstellt.
Unsere Eltern und Großeltern waren noch bayerische Staatsbürger, das waren noch Zeiten. Zeiten die wir wieder einführen sollten.
Im Zuge der Gleichschaltung wurde auch Bayern gleichgeschaltet und Bayern der Zentralgewalt in Berlin unterstellt, allerdings hatte Bayern Sonderrechte. Wir sind halt ganz besondere.

Wir Bayern lassen uns nicht so einfach schlucken. „Mir san mir und es sad´s es“, das hat der Bayer, nicht nur der Baier, im Blut.

Von der Zentralgewalt der Reichshauptstadt zehrten und zehren die Bonner und Berliner Zentralisten immer noch, manche mögen feuchte Träume über die Machtentfaltung der ehemaligen Zentralgewalt träumen.
Auch Franz Josef Strauß wurde erst zum Föderalisten, nachdem er von Bonn nach München zurückkehrte und dort das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Ein Musterbeispiel für die Wandelbarkeit eines Machtpolitikers und den Wert seiner Aussagen.

Was wir wollen, ist also nicht neu sondern ein Weg zurück zu früheren Zuständen, wenn auch in neuem Gewand.
Ein bayerischer Sonderweg? Mitnichten, in Deutschland gibt es außer den Bayern noch die Friesen, die für ihre Unabhängigkeit einstehen. Ob es noch andere deutsche Stämme gibt, die in dieser Richtung aktiv sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Sachsen, Westfalen, Thüringer könnten hier Verbündete sein.
Die Preußen müssen sich erst einmal aufrappeln und sich wieder als Preußen erkennen und als Preußen handeln, zu schwer war der Schlag in die Magengrube, sprich das Verbot ihres Landes, ausgesprochen durch die Siegermächte des 2. Weltkrieges, die jetzigen Besatzungsmächte, ausgenommen die UdSSR, die den Weg (hoffentlich) aller Zentralmächte ging, in den Orkus.

Ihr Franken mögt die älteren Brüder sein, gewehrt, zumindest ernsthaft, habt ihr euch jedenfalls nicht, als ihr von Napoleon Bayern zugeschlagen wurdet, ihr werdet schon eure Gründe dafür gehabt haben.
Heute ist Franken ein Teil Bayerns und ernsthaft wird keine Loslösung erwogen, weder von bayerischer, noch von fränkischer Seite.
Manche erwägen eine autonome Teilrepublik Franken, das wäre aber vielleicht doch etwas viel, da kämen dann noch die Oberpfälzer, die Waitler, die Schwaben und was weiß ich noch alles daher und würden sich autonome Teilrepubliken wünschen. Bei der baierischen und bayerischen Wesensart lägen solche Wünsche nicht allzu fern. Hier wäre erst einmal die Lebensfähigkeit solcher Teilrepubliken zu beweisen. Durch einen Föderalismus wie er im Buche steht, nicht im Parteibuch, könnte dergleichen Forderungen entsprochen werden.
Wir Bayern könnten hier zukunftsweisende Arbeit leisten. Die Bayernpartei spricht von einem Europa der Regionen und hat damit die Eigenstaatlichkeit Bayerns innerhalb Europas aufgegeben. Sie wollen die Eigenstaatlichkeit, sprich Loslösung von der BRD, allerdings innerhalb einer reformierten EU aufgehen, als Region. Was immer das bedeuten mag. Abgesehen davon, dass man diese EU nicht reformieren kann, ist es ein Schmarrn. Bayern existiert als Staat bereits seit Jahrhunderten und nicht als Region. Das ist in meinen Augen nur neudeutscher und moderner Politkauderwelsch und eine Marketingstrategie, regional einkaufen und so, warum dann nicht auch ein Europa der Regionen.
Was mir hier abgeht, ist das Wort Volk, wie das deutsche Volk gemieden wird wie die Pest, wird auch das bayerische Volk gemieden. Völker soll es, wie es scheint, nicht mehr geben. Ist das Völkermord? Müssen Völker immer physisch ausgerottet werden oder kann man Völker auch auf anderem Wege zum Erlöschen bringen?
Sei´s wie´s sei, ich habe die Seite der Bayernpartei überflogen, dort wird zwar von Bayern gesprochen, als Land, aber nicht vom bayerischen Volk, wie auch vom Ende der Nationalstaaten. Wäre ein unabhängiges Bayern etwa kein Nationalstaat? Was wäre es dann? In den Augen der Bayernpartei eine kleinere Einheit, eine Region, die sich selbstverwalten könnte aber doch in die EU eingebunden wäre. Nein danke, dann lieber Deutschland, ohne EU.
Mir zeigte der Ausflug zur Bayernpartei, die ich gelegentlich besuche, nur wieder, wie recht ich mit der Ablehnung aller Parteien habe. Mit keiner von diesen ist ein Staat zu machen, schon gar kein bayerischer, das müssen wir schon alleine tun und diese Parteileute draußen lassen.

Jetzt aber wieder weg von der Politik, diesem Drecksgeschäft.
„Mir san mir“ gilt in Bayern nicht nur in Bezug auf außerbayerische Länder, sondern auch, vielleicht auch vor allem, innerhalb Bayerns und Baierns.
So waren bei uns oft genug erbittertste Feindschaften zwischen benachbarten Ortschaften zu finden, die oft genug auf Volksfesten und während oder nach Fußballspielen ausgetragen wurden. Wie Hannes Burger in seinem Buch „Bayern Deine Preußen“ schrieb, hat, wer nie ein Fußballspiel zwischen Straubing und Cham gesehen hat, nie echte Brutalität kennengelernt. Diesem Buch entstammen auch die obigen bayerisch, humorigen Sprüche.
Der „Fremde“ war oft genug ein Nachbardörfler, der Heimgescheitelt wurde (mit Holzscheiten aus dem Dorf vertrieben wurde), wenn er sich an ein einheimisches Mädchen ranmachen wollte.
Hier wurde der Heimatboden noch verteidigt, da waren die Instinkte noch wach, etwas, das uns in der heutigen Zeit ganz und gar aberzogen wurde, wenn es auch gelegentlich noch aufflackert oder im Verborgenen blüht.
Ihr Franken kennt dies ja auch, es sei nur die Rivalität zwischen Nürnberg und Fürth genannt.

Die von Dir angesprochene Sache mit den Tirolern ist wahrlich kein Ruhmesblatt der baierischen Geschichte. Ich gebe aber zu bedenken, dass es nicht DIE Baiern waren, sondern die pfälzische Linie der Wittelsbacher, die sehr stark französelte und unser Land gar mit den Habsburgern tauschen wollten, um in der Pfalz bleiben zu können. Hier sei Friedrich II. gedankt, der, zwar aus eigennützigen Gründen, dies verhinderte. Er führte einen kleinen Krieg gegen Habsburg zur Verteidigung Bayerns, wobei sich die Bayern, sprich die französelnden Wittelsbacher, nicht wehrten und ergeben auf den Ausgang warteten, um danach das Ergebnis zu akzeptieren.
Das bayerische Stillhalten oder französeln der Wittelsbacher bezahlten 30 000 bayerische Soldaten mit dem Leben, als der kleine Franzose gen Russland zog.
Deutsche Machthaber ziehen halt nicht erst seit Schröder/Fischer, gerne mal für andere in den Krieg. Ist ja nicht ihr Leben, das sie, für den eigenen Vorteil, opfern.
Hier zeigte sich wieder einmal ein Schwachpunkt der jeweils herrschenden Eliten, die Anbiederung und Nachgiebigkeit gegenüber fremden Großmächten, um die eigenen Interessen zu befriedigen. Damals gegenüber den Franzosen, heute gegenüber den US-Amerikanern. Sprachen die damaligen Herrscher besser Französisch als Deutsch, so tun die heutigen alles, um die deutsche Sprache zurückzudrängen und die eigentlichen Muttersprachen der deutschen Stämme auszumerzen, die sog. Dialekte, die oft genug doch eigene Sprachen mit eigenen Dialekten sind. Die baierische Sprache ist unsere Muttersprache, bei Dir die fränkische, Hochdeutsch ist unsere erste Fremdsprache.
Auch bei der Übernahme fremdländischer Sitten und Gebräuche sind unsere Eliten sofort zur Stelle, so sind sie für den Bau von Religionsstätten fremdländischer Religionen, für eine Überflutung durch ganz und gar fremden Menschen und in diesem Zuge für die Genehmigung von Beschneidungen oder dem barbarischen Schächten, das zu Recht verboten ist.
Der Obermufti aus München, der Gschwoischedl (von geschwollen) Seehofer, meinte gar, es brauche gar nicht lange überlegt zu werden, die Verstümmelung aus religiösem Wahn müsse einfach genehmigt werden. Dafür durfte er nun mit einem Kapperl rumlaufen und sich vor Ort seine Anweisungen holen.
Wehe dem Volk, das solche Eliten hat, es braucht keine Feinde mehr.

Wir Bayern haben gegenüber den Großkopferten und der Obrigkeit immer schon eine gewisse Vorsicht walten lassen und sind uns auch durchaus bewusst, dass der Gendarm ein Handlanger dieser Großkopferten ist und das Militär nur den Interessen dieser Herren dient. Blöd waren die Bayern noch nie.
Wer konnte drückte sich schon immer vor dem Einziehen, meist allerdings nur reiche Bauern- und Bürgersöhne die die „Ablösesummen“ zahlen konnten, wohingegen der einfache Bub aus dem Volk zum Militärdienst gepresst wurde. Viele Volkslieder aus dieser Zeit erinnern daran. Erinnert sei hier auch an den Wirtssepperl z´Garching. Die Legendenbildung um den Wildschützen Jennerwein, den Räuber Kneißl u. a. zeigen den latenten Widerstand und Widerwillen der Bayern gegen die herrschenden Eliten und die Obrigkeit. Wilderern und Schmugglern werden heute noch Lieder gesungen.

Genau dies ist der Stoff, aus dem wir Baiern gemacht sind. Eigenständig, eigenbrödlerisch, schwer zu domestizieren und freiwillig niederknien tun wir höchsten vor Gott, wobei auch dies einigen sehr, sehr schwer fällt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass der Pfarrer bei der Sonntagspredigt die Männer immer wieder ermahnte, doch nicht wie auf dem Motorrad zu sitzen und damit das Knien vorzutäuschen. Es half nichts, genauso wie die Kirche von vielen Männern, nach der Wandlung verlassen wurde. Man hatte seinen Segen und damit war es gut.

Dein Programm ist sehr kurz gehalten und das ist gut so. Alles kann von Baiern und Bayern unterschrieben werden. Ergänzend möchte ich hinzufügen, nicht nur die EU bleibt außen vor, sondern jegliche fremde Macht. So müssten auch die amerikanischen Soldaten unser Land verlassen. Wir brauchen sie nicht, mit dem Geld, das hier bezahlt wird, können ebenso gut 20000 bayerische Soldaten bezahlt werden, die wirklich dem Schutz unserer Heimat dienen und aus Söhnen und von mir aus auch aus Töchtern unseres Volkes bestehen kann. Ein Volksheer, das den Namen wirklich verdient, könnte entstehen.
Mit Österreich könnte langfristig eine Wiedervereinigung angestrebt werden.  Österreich wurde im 12. Jahrhundert durch Barbarossa, aus machtpolitischen Gründen, von Bayern abgespalten, das muss wirklich nicht mehr sein. Wir sprechen eine Sprache, haben eine gemeinsame Vergangenheit und gehörten, wechselnd, auch immer wieder mal zusammen oder wurden ein bisschen hin und her geschoben.

Damit möchte ich für heute schließen und freue mich auf Deinen nächsten Brief.

Mit freundschaftlichen Grüßen

Gerd

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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