Fränkisch-baierischer Briefwexel

Fränkisch-baierischer Briefwexel

An Gerhard Bauer vom Deutschen Eck

Lieber Gerd, mein baierischer Freund und Kupferstecher,

nachdem einige kluge Baiern-Köpfe z.B. der Scharnagl (?) und der Gauleiter (!) sich jetzt trauen, die Verselbständigung Bayerns vom Bund zu fordern, sollten auch wir uns absprechen – wir bekennenden Sezessionisten.

Die Vorstellung ist ja nicht ganz neu und der Gschwollkopf Seehofer tut auch immer so, als könnt er meinen, dass er so was wollen sollen dürfte.
Andere kluge Baiern-Köpfe fallen mir außer Dir, lieber Gerhard, jetzt nicht ein.
Das wären ja auch Franken.
Die sind nämlich meist noch etwas schlauer und beteiligen sich aus taktischen Gründen nicht an einer Sezession „Franken los von Bayern“.
Das wäre ja auch blöde, wenn wir Franken uns der Möglichkeit einer weitergehenden Machtausübung ledig machen würden. Es macht viel mehr Spaß, andere, z.B. Baiern und Schwaben nach der fränkischen Pfeife tanzen zu lassen, als nur daheim der Ehefrau, vielleicht einer „Bavaria“ zu folgen.
Da die fränkischen Pfeifen besonders gut blasen, müssten die Baiern dem Herrgott für die Franken besonders dankbar sein.
Die Spätzle-Schwaben können wir in der ethnischen Betrachtung vorerst vernachlässigen. Aber über die Oberpfälzer müssten die Baiern – die niederen und die oberen – sich doch erst mal einigen, was die eigentlich sind: Pfälzer, Baiern oder auch Böhmen, oder vielleicht gar Franken.

Ohne die Franken wäre Bayern nichts. Erstens gibt es die Franken geschichtlich nachweisbar viel länger und deren Herkunft ist eindeutiger.
Das „Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst / Haus der Bayerischen Geschichte“ stellt offiziell fest:

Die Herkunft der Bayern bzw. Bajuwaren ist in der Forschung noch immer umstritten. Nach heutigem Verständnis geht man nicht von der Einwanderung eines geschlossenen Stammesverbandes aus, sondern nimmt eine Stammesneubildung im Raum südlich der Donau an, die sich nach dem Zusammenbruch der Römerherrschaft in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts vollzog. Der Stammesname „Bajuwaren“, der meist mit „Männer aus Baia“ übersetzt wird, läßt als namengebenden Kern des Stammes Germanen aus Böhmen (Boiohaemum) vermuten, die sich seit dem späten 4. und während des 5. Jahrhunderts an der römischen Donaugrenze niederließen und von dort in das Alpenvorland eindrangen. Neben weiteren germanischen Volksgruppen unterschiedlicher Herkunft ging auch die im Land verbliebene romanische Bevölkerung im neugebildeten baierischen Stamm auf. 
Das Gebiet der heutigen drei fränkischen Regierungsbezirke verdankt seinen Namen dem germanischen Stammesverband der Franken, der sich im 3. Jahrhundert n. Chr. im mittel- und niederrheinischen Raum an der Grenze zum Römischen Reich bildete und seit der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts unter den Merowingerkönigen zur beherrschenden Großmacht West- und Mitteleuropas aufstieg. Die Region um die Mainachse, die seit ca. 500 zum großen Teil im Machtbereich des Thüringerreiches lag, geriet nach der Niederlage der Thüringer gegen die Franken 531 zunehmend unter den Einfluß des expandierenden Frankenreiches. So wurden die Mainlande zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert allmählich zu einem Kernraum des Frankenreichs, und der Name „Franken“ bezog sich seit dem 9. Jahrhundert nicht mehr nur auf das Gesamtreich bzw. den ostfränkischen Reichsteil, sondern immer mehr auch auf das Gebiet nördlich und südlich des Mains, an dem der Name schließlich haften blieb.“

Ganz eindeutig: wir Franken sind die älteren und früheren!

Leider ist wahrscheinlich der thüringische Kloß älter als der fränkische. Aber wir Franken waren und sind stets offen für kulinarische Bereicherungen. Über den bairischen Semmelknödel wollen wir hier schweigen, da ist uns der böhmische kulinarisch näher.

Dass die Franken zu „Bayern“ – nicht „Baiern“ – wurden, haben sie den Franzmännern, dem eigentlich gemeinsamen Erbfeind zu verdanken. Dem Napoleon und anderen Franzosen vorher und nachher – z.B. auch einem gewissen Montgelas.
Dass die Franzmänner angeblich auch Franken sein sollen, ist irgendwie ein geschichtlicher Irrtum.
Eher sind die Baiern Franken und die Franken Baiern, als die Franzmänner echte Franken.
Es ist eine betrübliche Sache, dass sich die Baiern immer wieder mit den Franzmännern, dem Erbfeind, einließen und sogar die Stammesbrüder in Tirol – Blut vom Blute – auf Geheiß der Franzen und von sich aus kujonierten.
Sowas würde aufhören müsssen, da wir ohnehin inzwischen mehr Kontakte nach Südtirol haben als z.B. in die Pfalz.

Mein Programm:

  1. Freiheit und Unabhängigkeit für Franko-Bavaria – von mir aus auch „Bayern“!
  2. Die Franzmänner – d.h. die EU – bleiben außen vor.
  3. Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Schottland, den Flamen, Basken und anderen abendländischen Sturköpfen.
  4. Ösis und alle Schwaben außerhalb Bayerns dürfen Bayerische Staatsbürger werden. Das gilt auch für echte Preußen nach Antrag und Prüfung.
  5. München wird provisorische Hauptstadt mit Sonderstatus*.

„Wohlauf die Luft geht frisch und frei“ und „Gott mit dir du Land der Bayern“!

In Erwartung Deiner geschätzten baierischen Antwort

Dein Spezi

Frieder


* P.S. Für das hypertrophe, inzwischen ganz und gar unbayerische München muss ein Sonderstatus erarbeitet werden.
Der Fussballverein „Bayern München“ darf sich weiter so nennen, wenn er auch den Club im Wechsel mal gewinnen läßt und Lothar Matthäus neben Beckenbauer als Ehren-Präsident benannt wird.

http://altmod.de/?p=1928

Auf diesen Brief meines fränkischen Freundes Frieder werde ich in demnächst antworten.

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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5 Antworten zu Fränkisch-baierischer Briefwexel

  1. Moritz Haberland schreibt:

    Naja … hm … schon recht interessant, diese bayrische Sicht der Dinge.
    Den Punkt 4. würde ich dahingehend abändern, daß nach der alsbald
    zu erwartenden Wiedererrichtung Preußens ein geneigter Freundschafts-
    vertrag geschlossen wird und die Schließung von Mischehen auf Antrag
    wohlwollend geprüft und baldigst entschieden werden.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Da habt ihr Preußen noch ein weiteres Stück des Weges zu gehen, als wir Bayern.
      In Börlinn wird sich sicherlich einiges von selbst erledigen, wie auch in München, sollte erst einmal der preußische/bayerische Geist wieder durch die Straßen wehen und sich jeder sein Essen selbst verdienen muss und der Staatsdiener erst wieder einmal Diener ist und nicht weitgehend nutzloser Mitesser.

      • Moritz Haberland schreibt:

        Naja … mit den nutzlosen Fressern, wie wir Bauern sagen, hast Du ganz
        sicher recht und Preußen wird wohl nicht mehr, wie es war, denn es wird
        nicht von „K“ zu „K“ reichen.

        Königsberg haben wir vorerst noch nicht und Köln wollen wir nicht mehr.

        Ein gesundes Nordland schwebt uns vor, eng und wohlwollend verbunden
        mit Ösireich und Bayernland, da hätten wir schon ´was gekonnt, finde ich.

  2. Moritz Haberland schreibt:

    Kleiner, gutgemeinter Tip: Nach Evakuierung der Kunstschätze und Sicherung einiger Gebäude, bietet sich eine vollständige Warmsanierung des Sündenpfuhls namens „Mjunik“ an, so wie wir das mit „Börlinn“ ebenfalls durchführen müssen, um danach Berlin wiederzuhaben 😦 .

  3. Gerhard Bauer schreibt:

    @Moritz 21 Uhr 03
    Da hast Du recht.

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