Wilfried Scharnagl: „Es ist Zeit für das große bayerische Aufbegehren”

Wilfried Scharnagl, ehemaliger Vertrauter von Franz Josef Strauß und Vorstandsmitglied der Hanns-Seidel-Stiftung plädiert für ein selbstständiges Bayern. Wilfried Scharnagl schrieb ein Buch mit dem Titel „Bayern kann es auch allein.“
Natürlich kann es Bayern auch alleine, das konnte Bayern über Jahrhunderte hinweg, Bayern ist außerdem das älteste Land dieser Republik, in all dieser Zeit konnten wir es alleine, mit Ausnahme der Zeit, in der die pfälzischen Wittelsbacher mit den Franzosen paktierten, Schande über sie.
Scharnagl stellte fest, Bayern zahle für die deutschen und für die europäischen Länder, damit müsse Schluss sein und spricht sich für einen eigenständigen bayerischen Staat aus. Lt. Focus, auch WeltOnline berichtete darüber, werden die Thesen Scharnagls in der CSU-Spitze mit Wohlwollen betrachtet, in der CDU hingegen mehr mit Argwohn. Die CDU befürchtet, dass sich Seehofer des Themas verstärkt annehmen werde, je näher der Landtagswahlkampf kommt, so der Focus.

Na ja, wenn sich der Seehofer eines Themas annimmt, weiß man, dass es morgen schon wieder ganz anders sein kann und wird und übermorgen wieder anders. Ich möchte allerdings noch hinzufügen, wenn es bei Sezession Bayerns nur ums Geld geht, ist der richtige Draht zur Freiheit und Selbstständigkeit nicht gefunden. Geld ist nicht alles, wenn man es genau betrachtet, ist es sehr wenig, wenn es auch riesig scheint.

Wieso die Herren gerade jetzt auf das Thema kommen, wo doch die Bayernpartei schon seit Jahrzehnten auf die Eigenständigkeit Bayerns pocht und deswegen milde belächelt wird (bestenfalls), kann ich mir nicht so recht erklären.
Eine rein taktische Maßnahme für den Landtagswahlkampf kann dieses Thema nicht sein, da könnten schlafende Hunde geweckt werden, wir Baiern sind ein sehr EIGENES Völkchen, Franken, Schwaben und Oberpfälzer sind da nicht recht viel anders (Hoppla, Bayern ein Vielvölkerstaat) und außerdem gibt es eine Partei, die BP, die dieses Thema schon lange auf ihre weiß-blauen Fahnen geschrieben hat. Da käme man evtl. in akute Erklärungsnot.
Sollte es in mächtigen Kreisen etwa Befürworter dieser Idee geben? Irgendwie kommt mir das spanisch vor.

Nicht, dass ich etwas dagegen hätte, das wäre der Anfang vom Ende der BRD und um die ist es nicht schade.

Scharnagl spricht auch die bayerische Verfasssung an, die die Verfassung eines Vollstaates sei. Da hat er recht, sie ist es allerdings schon seit dem 8. Dezember 1946 und wurde durch eine Volksabstimmung angenommen, dass Scharnagl dies erst jetzt entdeckt hätte, kann ich mir nicht vorstellen. Natürlich musste auch unsere Verfassung durch die US-Siegermacht bestätigt und genehmigt werden, die einige Änderungen verlangte und natürlich überhaupt diesen Gegebenheiten angepasst wurde. Auch sie müssste gesäubert werden und durch eine neue Volksabstimmung, nur durch Bayern logischerweise, genehmigt werden.

Irgendetwas ist im Busch.
Wollen die Bayern, damit meine ich die finanzielle und wirtschaftliche Elite, das sinkende Schiff BRD verlassen? Warum aber dann nicht das eben so sinkende Schiff EU?
In der EU soll Scharnagls Bayern wohl bleiben, da er davon sprach, ebensoviele Abgeordnete nach Brüssel zu senden, wie Griechenland, nämlich 22 Stück. 22 Parteifuzzys die bestens bezahlt und versorgt werden müssen, Beiträge die in die EU bezahlt werden müssen und wozu?
Wieso Bayern nicht mehr für die europäischen Länder bezahlen müsste, will sich mir nicht erschließen.
Vielleicht liegt aber gerade darin der Hase im Pfeffer, anstatt Milliarden an die BRD-Nordländer, das meiste davon nach Berlin (Welch Schande, die rückständigen Lederhosen müssen diese „Welt“stadt finanzieren), zu überweisen, wäre doch das Geld im Rachen der Goldenen Internationale, über den Umweg der EU-Pleitestaaten wesentlich besser angelegt.

Bei Vorschlägen aus dieser Ecke, auch wenn sie sich gut anhören, bin ich vorsichtig. „Ein gebranntes Kind scheut das Feuer“ und ich die CSU.

Wenn schon, denn schon. Wenn raus aus der BRD, dann auch raus aus der EU UND kein Eintritt in die NATO.
Bayern wird neutral, lediglich um sein eigenes Wohlergehen besorgt. Als erstes könnte ein Bündnis/Zusammengehen mit unseren Stammesbrüdern in Österreich, das ja einmal Teil Bayerns war, nicht des Deutschen Reiches, ins Auge gefasst werden. Diese Teilung erfolgte aus machtpolitischen Gründen.

Bayern ist und bleibt deutsches Land, den anderen deutschen Stämmen/Völkern verbunden, nicht aber dem Kunst- und Siegergeschöpf BRD. Erst wenn wir Deutschen wieder Herr im eigene Hause sind, können wir uns ernsthaft daran machen das gemeinsame Haus Deutschland aufzubauen. Vorher aber ist fast jeder Schritt in Richtung Auflösung der BRD ein guter Schritt.
Bismarcks Reich von 1871 wurde in zwei Kriegen zerstört, was blieb sind Fragmente mit denen nicht mehr allzuviel anzufangen ist, auch die Zentralisierung durch die NS, war nicht der große Wurf.
Also bleibt uns und den nachfolgenden Generationen die Aufgabe gestellt, ein deutschen Haus zu bauen, in dem die Verschiedenheiten der deutschen Stämme und Landsmannschaften berücksichtigt werden und doch ein gemeinsames Haus unsere Unterkunft wird, aber keine Wohngemeinschaft, keine Kommune, sondern ein Haus in dem jeder für seine Etage, seine Wohnung selbstverantwortlich ist, nur das Fundament, das Dach, das Treppenhaus und die Außenmauern gemeinsame Aufgabe sind.

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter Bayern, CSU, Deutschland abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu Wilfried Scharnagl: „Es ist Zeit für das große bayerische Aufbegehren”

  1. Pingback: Mit Bayern ein neues Deutschland bauen? « rundertischdgf

  2. rundertischdgf schreibt:

    Artikel von Gerhard Bauer auch zum Nachdenken im Strandkorb auf Usedom http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/08/12/mit-bayern-ein-neues-deutschland-bauen/

  3. Lützower Jäger schreibt:

    Scharnagels Tagträume in einem Besatzungsgebiet. Das Imperium würde sofort zurückschlagen in dem gleichen Augenblick, in dem sich der erste Widerstand gegen das System gruppierte. Wir werden wohl darauf warten müssen, dass das Imperium an Überdehnung kollabiert.
    Schöne Träume weiterhin.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Es würde nicht nur zurückschlagen, es schlägt zurück. Gestern, heute, morgen und übermorgen. Am Kollabieren ist immer Widerstand beteiligt, von alleine geht gar nichts.
      Es muss immer der Widerstand geleistet werden, der momentan möglich und sinnvoll ist.
      Wenn es Widerstand bedeutet, für ein selbstständiges Bayern einzutreten, bin ich sofort dabei, was ich ohnehin bin, nicht nur als Baier, sondern auch als Deutscher.

  4. Moritz Haberland schreibt:

    Man kann einen Zentralstaat aus guten Gründen befürworten, man kann ein gemeinsames Deutsches Haus (wie im obigen Artikel) aus ebenfalls guten Gründen befürworten.

    In jedem Fall gehört DAS in den Mülleimer der Geschichte:

    Der Staat Preußen ist durch die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges per Gesetz des alliierten Kontrollrates Nr. 46 vom 25. Februar 1947 endgültig aufgelöst worden.
    Dort heißt es:
    „Der Staat Preußen, der seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland gewesen ist, hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört. Geleitet von dem Interesse an der Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit der Völker und erfüllt von dem Wunsche, die weitere Wiederherstellung des politischen Lebens in Deutschland auf demokratischer Grundlage zu sichern, erlässt der Kontrollrat das folgende Gesetz:

    Artikel 1
    Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle
    nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst.“

    Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges wollten die von ihnen in ihren jeweiligen Besatzungszonen installierten politischen Strukturen stabilisieren. Seit 1946/47 waren dies die Länder. Der Staat Preußen, juristisch immer noch existierend, erwies sich dabei als Hindernis. Es war ein Staatsgebilde, das alle vier Zonen umfasste, weil ganze Länder oder Teile von ihnen zum alten Preußen gehörten.

    Der „eiserne Vorhang“ verläuft nicht nur direkt durch Deutschland, er durchschneidet auch das alte Preußen, es existiert nicht mehr, sein Territorium ist aufgeteilt, seine Bevölkerung ist zu einem Teil vertrieben, seine früheren Herrschaftsstrukturen sind restlos beseitigt.
    Preußen ist nun nur noch ein historischer Begriff.

    Bismarck, der Eiserne Kanzler hat recht behalten:
    „Ist Preußens Kraft einmal gebrochen, so wird Deutschland
    schwerlich dem Schicksal Polens entgehen.“

  5. Moritz Haberland schreibt:

    Hier noch etwas, was möglicherweise auch ein wenig bei der Vernetzung weiterhilft, weil illustrierte Kurzweil ohne die großen Hürden des politischen und sprachlichen Anspruchs auch ein bißchen Spaß macht.
    http://www.facebook.com/moritz.haberland.5?ref=tn_tnmn

    Einen schönen Sonntag an alle auf dieser vortrefflichen Seite hier 🙂 .

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Ich bin weder bei Facebook noch bei Twitter. Habe mit die Sache bei Twitter mal angeschaut, bin aber gleich wieder raus.

      • rundertischdgf schreibt:

        Das Urteil über Twitter ist möglicherweise ein Vor- oder Fehlurteil. Im Gegensatz zu Facebook braucht man keine persönlichen Daten angeben. Ist man erstmal im System drin, kosten die Kurznachrichten kaum Zeit. Es eignet sich nicht zur Meinungsbildung, obwohl das einige Politiker meinen und sich auch in lächerlicher Weise selbstdarstellen. Siehe Dorothee Bär! Wir nutzen das, um den Verweis zu diesem Text von Gerhard zu verbreiten und uns schnell zu informieren. Schaut euch unser Beispiel mal an. https://twitter.com/Vilstal

      • Gerhard Bauer schreibt:

        Oder ganz einfach eine Frage des persönlichen Wollens. Ich mag das einfach nicht.
        Wegen der persönlichen Daten mache ich mir keine allzu großen Sorgen, die die nichts von einem wissen sollen, die wissen sowieso nahezu alles, wenn sie dieses Wissen benötigen.

  6. Kersti schreibt:

    Mein Mann ist bei Facebook mit unseren Hunden, ist mir alles zu durchsichtig, aber man kann nicht mehr raus. Daher poste ich nichts Politisches, bin eh schon bei den Linken auf der Liste.

  7. Moritz Haberland schreibt:

    Twitter find ich auch doof, Fäßbuck nicht. Ja, ich weiß natürlich um die Vorbehalte, die auch mich lange abhielten, muß aber sagen, daß man lernt, so eine kleine Seite „redaktionell“ zu betreuen und man ganz erstaunlich nette Menschen „trift“. Alle anderen löscht man einfach weg, das geht im richtigen Leben nicht so einfach.

    „Daher poste ich nichts Politisches,…“, ich ja, doch wie im richtigen Leben werde ich nichts von mir geben, was ich mir nicht genau überlegt habe. Deshalb bin ich ja auch ein Fän des „Deutschen Ecks“, weil das hier ebenfalls die allgemein beachtete Grundhaltung ist. Was hab ich alles schon für Radau- und Pöbelblogs gesehen.

    Gut, mich kann keiner entlassen, weil ich keinen Chef habe, mich kann keiner aus meinem Verein werfen, weil ich in keinem bin, meine Mädels hatten und haben keine Nachteile, weil sie schon über 30 sind und doch bin ich „gesellschaftlich tätig“, wie das früher so schön hieß und alle, mit denen ich zu tuen habe, kennen und achten meine Grundüberzeugungen, wie ich es andersrum ebenfalls mache.

Kommentare sind geschlossen.