Molau steigt aus

Das ehemalige NPD-Parteivorstandsmitglied A. Molau steigt aus. Nach Axel Reitz das zweite prominente Mitglied der rechten Szene, wenn man es so nennen will, das nicht nur aussteigt, sprich seine Gesinnung ändert, sondern dazu die buntesdeutschen Behörden benutzt.
Über Motive etc. will ich nicht groß spekulieren. Für Deutschland und das Deutsche Volk ist der Vorgang sowieso nicht besonders wichtig. Ob die beiden oder noch ein paar andere „aussteigen“ oder nicht, ist keine Schicksalsfrage. Die Schicksalsfrage unseres Volkes wird nicht in den Köpfen von irgendwelchen Parteistrategen oder Möchtegerns entschieden, sondern in den Köpfen der Deutschen und dort sind weder Reitz noch Molau verankert. Dort aber wird über Sieg oder Niederlage, Weiterleben oder Untergang entschieden.

Ein paar Worte möchte ich dem Vorgang allerdings doch widmen. Zum Einen besteht die Möglichkeit, dass mit diesen „Aussteigern“  V-Leute abgezogen werden und diese als Ausstieg getarnt werden. Der Abzug der V-Leute ist notwendig, um einem Verbotsverfahren den Hauch einer Chance zu geben. Andererseits wäre ein NPD-Verbot taktisch und strategisch eine Dummheit. Aber gelegentlich muss man auch die eigene Meute, das Fußvolk, füttern.

Reitz und Molau, mit beiden hatte ich Gelegenheit, unter ihrem Klarnamen, im Netz zu diskutieren. Mit dem einen über seinen Anspruch und seine kleinen Diebstahlsdelikte, mit dem anderen über  geringschätzige Äußerungen uns Deutschen gegenüber, deutscher Michel etc.. Bei beiden stellte ich eines fest, einen schlechten Charakter fest. Beiden war die „Außernwirkung“ wichtig. Der eine wollte Kampfführer sein, der andere intellektueller Führer und darauf beruhte ihr Anspruch auf Unfehlbarkeit; da geht es ja schon mal los. Beiden war gemeinsam, dass sie ihr Fußvolk hatten, die ihnen bedingungslos ergeben waren und ihren Worten und Taten seligmachende Wirkung zuschrieben. Das war und ist so gar nicht mein Fall. Ich brach schließlich ab, denn wo keine Gemeinsamkeiten sind, kann man auch nicht diskutieren, zumindest bringt es nichts.

Bei Reitz wird ja vermutet, dass er ganz offen verrät, bei Molau ist man sich da noch nicht so sicher, zumindest was die gleichgerichteten Medien angeht.
Beiden ist gemeinsam, dass sie mit Hilfe des von ihnen so sehr bekämpften Systems „aussteigen“. Sprich mit Hilfe der Polizei und des Verfassungsschutzes. Wozu man bei einem Gesinnungswechsel den ehemaligen Gegner um Hilfe und Mitarbeit bitten muss, will sich mir nicht erschließen, zumindest nicht aus ehrenhaften Motiven.

Ich kenne solche Leute zur Genüge, es gibt sie in allen sozialen Schichten und in allen Altersstufen. Das geht schon im Kindergarten los und endet das ganze Leben nicht. Die einen sind die ganz braven, die immer gefallen wollen oder tatsächlich so sind, die anderen die Schianghaferl, für die Nordlichter, das sind diejenigen die petzen; die anderen sind die, die schianga/verraten wenn es brenzlig wird und das eigene Wohlbefinden auf dem Spiel steht, dann gibt es noch die von Haus aus bösartigen Spitzelcharaktere, die einem ins Gesicht schön tun und hintenrum einem das Wasser abgraben oder zu einem geeigneten Zeitpunkt das Messer in den Rücken stoßen, zu guter Letzt gibt es noch die, das sind die wenigsten, die nicht schiangan, nicht verraten, nicht verklagen und dafür auch mal eine Watsch´n oder eine andere Bestrafung riskieren.
Das alles sind Charakterzüge und hat nichts mit politischer Gesinnung, Religion oder überhaupt irgendetwas Äußerem zu tun. Auf den Charakter wird allzu wenig geschaut, früher sagte man auch Ritterlichkeit und meinte damit sehr viele positive Charaktereigenschaften, einer Erläuterung des Begriffes bedarf es nicht.
Gerade Scharfmacher und sog. 150%ige sind oftmals alles andere als ritterlich.
Ich will ein Beispiel aus den 30er Jahren und dem daraus folgenden Spruchkammerverfahren erzählen, die Unterlagen hatte ich gerade wieder einmal in der Hand.
Ein Mann der als einer der ersten in SA-Uniform in meinem Geburtsort herumlief und agitierte, hängte (denunzierte) auch während der Zeit der nationalsozialistischen Regierung Leute hin, eine Krankenschwester gar wegen Hörens von Feindsendern, die allerdings entlastet wurde und der harten Bestrafung entging.
Dieser SA-Mann war Polizist wurde in der Weimarer Zeit, wegen Weibergeschichten, Saufereien etc. aus dem Dienst entlassen, kam während der NS-Zeit kurzzeitig nach Dachau ins KL und schwärzte nach der Niederlage einige NSDAP-Mitglieder und SA-Männer, der Reihe nach, darunter meinen Vater, der „erste Wahl“ war, bei den Siegern an, ihn nach Dachau gebracht zu haben.
Obwohl die Aussagen, selbst für damalige Verhältnisse äußerst widersprüchlich waren, erfolgte eine entsprechend harte Verurteilung durch die Spruchkammer. Kommt uns das nicht auch bekannt vor.
Im Laufe der Zeit, viele eidesstattliche Erklärungen später und einer Weihnachstsamnestie, wurde das Urteil abgemildert und der schlimme Vorwurf der Denunziation fallengelassen.
In den nachfolgenden Jahren, mein Vater gab keine Ruhe, sich vollständig von diesem Vorwurf zu befreien, stellte sich heraus, der Kerl kam nach Dachau, da er sich in betrunkenem Zustand das Parteiabzeichen und die SA-Uniform vom Leib gerissen hatte und darauf herumgetrampelt war. Der Grund für dieses Ausrasten war, einige politische Gegner warfen ihm vor, eine Partei zu unterstützen, die Bayern verrate und an den Zentralismus verkaufe. Tief innen lebte also auch in ihm noch der Baier (absichtlich mit „i“ geschrieben). Herausgeholt wurde er durch einen engen Freund Himmlers, ein Großbauer, der in der Kampfzeit diesen Burschen mit Material versorgte. Nach der Entlassung aus dem KL Dachau erhielt der Bursche eine Anstellung in einer Behörde. Der Bursche hatte auch einige kleinere Straftaten auf dem Kerbholz, sozusagen ein Kleinkrimineller.
Der Kerl war ein sog. „alter Kämpfer“ und war doch nichts anderes als ein Lump. Damit möchte ich nicht verallgemeinern oder in das allgemeine Geheul einstimmen. Ich möchte nur aufzeigen, Lumpen gibt es überall, selbst in der von manchen als heilig, bezeichneten Mutter Kirche, wie es auch überall anständige Menschen gibt.
Solche Typen gab es nicht nur bei den Nationalsozialisten, sondern bei allen politischen Richtungen. In solchen Zeiten trennt sich die Spreu vom Weizen, einmal, wenn es hart wird und zum anderen, wenn man sich rächen kann, die offenen Rechnungen begleichen kann. Was sowohl unter der NS-Zeit, wie auch während der Weimarer Zeit, als auch nach der Niederlage des Deutschen Reiches geschah und wohl wieder geschehen wird, sollte die BRD zusammenbrechen und durch anderes ersetzt werden wird. Dagegen ist man nicht gefeit, man muss es nur wissen, dann kann man auch gegensteuern.
Charakterlumpen gibt es allemal und nichts und niemand kann dies verhindern. Am allerwenigsten Parteien, in denen nur die Folgsamkeit zu den eigenen Programmgrundsätzen zählt. Wenn auch in manchen Gruppen innerhalb von Parteien durchaus auch andere Werte mitzählen. Im Großen und Ganzen brauchen Parteien aber Gefolgsleute, der Rest ist mehr oder weniger egal, solange es nur nützt.
Beweise brauche ich hierfür nicht zu bringen, schaut euch nur das Parteivolk an, von ein paar ehrlichen, anständigen Mitgliedern abgesehen, ist alles andere nur Pöbel, egal auf welcher Ebene sie sich befinden.
Parteien brauchen keine ritterlichen Charaktere, sie brauchen Gefolgsleute, Erfüllungs- und Handlungsgehilfen.
Was im Endeffekt aber wirklich zählt, ist nur der Mensch, dessen inneren Werte, dessen Charakter. Alles andere ist vollkommen egal, er kann adelig, arm, reich, schön, hässlich, dick, dünn oder sonstwas sein. Es ist vollkommen egal. Jeder kann Lump oder Ritter sein und daran sollt ihr sie erkennen, danach sollt ihr sie einordnen.
Lump oder Ritter die alles entscheidende Frage. Wer kennt ihn oder wünscht ihn sich nicht, den Freund, mit dem man durch dick und dünn gehen kann. Glücklich der, der einen solchen als Freund oder Ehegemahl(in) hat. Es gibt sie, die ritterlichen Menschen, man muss sie nur erkennen und schätzen. Wer erkennt und schätzt sie?

 

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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5 Antworten zu Molau steigt aus

  1. Alexander Axt schreibt:

    In einer Beziehung irrst Du dich. Molau hat sich nie geändert. Die Stasi hat solche Leute über Jahre aufgebaut und geführt. Molau war nie etwas anderes als ein Spitzel im Dienste der Staatsmacht. In der DDR-Opposition wimmelte es von solchen Typen an herausragender Position.

    Nachweisen ließ sich das allerdings erst, als man die Normannenstrasse in Berlin gestürmt hatte. Aber bei Molau und anderen NPD-Größen, die jetzt scheinbar die Fronten wechseln und ihre Überzeugungen verraten, bin ich mir relativ sicher. Man kann nichts verraten, was man nie hatte.

    Die Stasi hat den Popanz, den sie bekämpfte, künstlich aufgepäppelt und sie hat es so gut gemacht, dass der Spuk sie schließlich überwältige. Ab einem gewissen Level, entwickeln solche Dinge eine Eigendynamik, selbst wenn die ganze Organisation aus Spitzeln bestände. Sie wissen ja nichts voneinander und müssen so handeln das ihre Tarnung nicht auffliegt. Gewundert haben die sich dann bloß, als die Gruppen, die hinter ihnen hermarschierte immer größer wurden. Von da an, waren sie Getriebenen, die ums eigene Überleben kämpften und sie ihren Führungsoffizieren nur noch bedingt gehorchen konnten. Auch die Verfassungsstasi wird diese Lektion noch lernen.

    Und, Kopf hoch. Veränderungen kommen über Nacht. Noch Anfang Oktober 1989 hatte niemand vorhergesehen, dass im November die Mauer fallen würde.

  2. Gerswind schreibt:

    Reblogged this on Gerswind.

  3. Moritz Haberland schreibt:

    Du gibst Dir sehr viel Mühe mit diesen beiden, doch ich glaube, es ist vergebene Liebesmüh´, die Erklärung lieferst Du selbst:
    „Das alles sind Charakterzüge und hat nichts mit politischer Gesinnung … zu tun. Auf den Charakter wird allzu wenig geschaut, früher sagte man auch Ritterlichkeit und meinte damit sehr viele positive Charaktereigenschaften, einer Erläuterung des Begriffes bedarf es nicht.“

    Oh doch – Und wie es das tut, jeder, der mit diesem Begriff erzogen wurde, verzweifelt daran, ihn seinen Nachfahren zu erläutern. Bei meinen Töchtern hat es noch funktioniert, meine Schwiegersöhne hatten zumindest das Grundfundament, da konnte ich noch „im zweiten Bildungsweg“ den Begriff erläutern, doch was ist mit meinen Enkeln(?), vielleicht werden sie Schäbigkeit mit „Clevernes“ verwechseln und Korruption als „Beratervertrag“ verstehen.

    • Gerhard Bauer schreibt:

      Stimmt der Einfluss von außen ist auch maßgeblich beteiligt. Letztendlich werden sich allerdings bestimmte Charakterzüge immer wieder durchsetzen. Das Grundlegende ist im Menschen angelegt.
      Ich kenne genügend Beispiele, selbes Elternhaus, ganz unterschiedliche Charaktere, der eine schäbig, der andere in Ordnung. Dem Schäbigen könnte man diesen Begriff erläutern oder vorbeten, es hülfe nichts. Der andere wird immer wieder richtig handeln.
      Selbst bei Ganoven gibt es welche, die bestimmte Grenzen nicht überschreiten. Mag jemand auf Grund äußerer Umstände zum Ganoven geworden sein, so gibt es doch auch hier noch die „Guten“ und die, die keinerlei Grenzen kennen, die ihre „Kollegen“ verraten und verkaufen, die dem bereits am Boden liegenden Opfer noch mit den Füßen ins Gesicht treten, die alten und/oder schwachen Menschen bedenkenlos die letzte Mark aus dem Geldbeutel klauen.

      Den beiden, oben erwähnten könnte man diesen Begriff erläutern oder auch einbleuen, es wäre vergebens. Solche Leute muss man nach Möglichkeit meiden.

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