Video: Peter Gauweiler und Sahra Wagenknecht zum ESM

Ein sichtlich erregter Peter Gauweiler spricht vor fast leeren Rängen. Auch ein Zeichen dafür, dass niemand es ernst nimmt, was da geschieht. Es muss halt sein, ein notwendiges Prozedere, mehr nicht.

Normalerweise interessieren mich Bundestagsdebatten nicht. Der Grund, das Schmierentheater ist durchsichtig und nicht einmal die Abgeordneten interessieren sich für dieses Schauspiel, deren Darsteller unsere gesetzlich verordneten Vormünder, auch Abgeordnete genannt, sind.
Wie sonst, sollte man die ständig leeren Ränge erklären können, sie wissen, es ist egal, vollkommen egal, es wird beschlossen, was und wie beschlossen werden muss. Im Bundestag wird nichts entschieden, dort wird vielleicht eine simple Musik gespielt, die Melodie hierfür wird aber woanders geschrieben.
Wo wird die Musik geschrieben, in Konzernzentralen internationaler Unternehmen, in Washington, in Tel Aviv oder Jerusalem, in Brüssel, in London und in Paris, nur nicht in Berlin.
Alle mischen mit, nur wir Deutschen nicht, das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Jedes Interesse wird berücksichtigt, nur eines nicht, das von uns Deutschen.

Es ist eine Schande, was da von Parlamentariern abgeliefert wird, eine Schande; nicht für uns Deutsche, der breiten Masse, auch nicht für unser Land, wir haben dazu nichts zu sagen und keinen Einfluss; es ist eine Schande für diejenigen die sich dafür hergeben, diese Leute unterstützen, diese Leute und Parteien finanzieren, entweder aus persönlichem Interesse oder auch aus gutem Glauben.
Diese Parteien und Parteileute verletzen ihre eigenen Grundsätze, insofern sie überhaupt welche haben, sagen wir also lieber Lippenbekenntnisse, sie reden von Demokratie, von Teilhabe (da wird mir ganz schlecht), von Freiheit und vielem anderen, was sich gut anhört aber eben nur leere Worte sind.
Sobald ein Politiker den Mund aufmacht, lügt er, sagte einmal ein Bekannter zu mir. Gut möglich.
Tut ein Politiker irgendetwas, was seine Macht, seinen Einfluss, sein Einkommen schmälern würde? Wohl kaum. Das sind also seine primären Antriebskräfte, daran richtet sich sein Denken und Handeln aus. Alles andere ist ihm scheißegal (verzeiht die derbe Wortwahl, in diesem Fall ist sie allerdings nicht nur notwendig, sondern absolut zutreffend).

Ich traue keinem Politiker, auch einem Peter Gauweiler nicht, wenn er auch hier eine sehr ehrliche Rede hielt. Peter Gauweiler ist ebenfalls Teil des Systems und trägt seit Jahrzehnten alles mit, was dieses System auszeichnet und uns zu schaffen macht. Gauweiler ist alt, er hat nichts mehr zu verlieren. Wie würde er reden, wäre er ein junger Mann, der den Einstieg in die Politik sucht? Würde er da solche Reden führen, wäre er sofort weg vom Fenster. Sein Ziehvater Strauß hätte ihn höchstpersönlich zur Türe hinausgejagt, hätte er es gewagt sich an ihm oder seinen Beschlüssen zu reiben.
Mit Gauweilers würde das Land anders aussehen, mag der eine oder andere sagen. Sicherlich, vor einigen Jahrzehnten waren die Gauweilers allerdings noch da und unser Land wurde genau von diesen dahin gesteuert, wo es heute ist. Sie sprachen nur einer noch etwas anders gelagerten Volksseele nach dem Mund. Sie waren und sind Bestandteil des Systems.

Über Wagenknechts Rede gibt es nicht viel zu sagen. Sie tischt die uralten Geschichten der Marxisten auf, bringt ein bisschen Moralin, ein bisschen Mitleid, spricht von höheren Steuern und vom Sturm auf die Paläste. Die Linken könnten mit dieser Sache gewinnen, wenn sie nicht soviel Schmarrn im Tornister hätten, den kein Mensch will und nur von verzweifelten oder strohdummen Menschen ernst genommen werden kann.

Beide Redner kritisieren dasselbe und haben doch unterschiedliche Lösungsansätze und eine vollkommen unterschiedliche Weltanschauung. Ein deutliches Zeichen dafür, dass man dasselbe kritisieren kann, ohne sich über Lösungen einig zu sein. Erinnert euch daran, wenn die Propagandisten des Systems wieder einmal verschiedene Dinge in einen Topf werfen, z. B. die Kritik an der Weimarer Republik.
Keiner von beiden wird etwas ändern oder erreichen. Das würde ja bedeuten, die Politik hätte eine Machtstellung in diesem Land. Eine Machtstellung, die über das hinausreichen würde, was die Unterdrückung und das Regieren des eigenen Volkes anbelangt. Die Politik müsste eine Machtstellung gegenüber internationalen Konzernen, internationalen Finanzunternehmen und ausländischen Regierungen haben, dann könnte sie etwas ändern, dann könnte sie gestalten. Da sie diese Machtstellung nicht hat, kann sie auch nichts ändern.
Dazu wäre eine grundsätzlich andere Politik notwendig. Die Politik müsste auf das Wohlergehen des eigenen Volkes ausgerichtet sein.
Nicht „Märkte“ dürfen die Entscheidungen beeinflussen, „Märkte“ müssten ein Nichts sein, etwas, das keinen Zugang zu Entscheidungen bekäme. „Märkte“ sind ein Instrument, das benützt wird, das einem Zweck dient. Entweder dient es einzelnen oder der Allgemeinheit.
Wenn wir das schicksalsschwere Wort „Märkte“ herunterbrechen auf die Urform des Marktes, den Marktplatz. Wer hatte die Oberhoheit über den Marktplatz, wer legte fest, wer, was, wieviel und zu welchen Bedingungen verkaufen/anbieten durfte? Zu keinem Zeitpunkt die Händler und Anbieter von Waren, diese mussten sich strengen Marktordnungen unterwerfen. Wer dies nicht tat, durfte nicht anbieten.
Der Marktplatz war nie frei, frei in dem Sinne, dass jeder tun und lassen konnte was er wollte. Marktplätze waren Orte an denen geregelt gehandelt wurde. Betrüger wurden streng bestraft. Diese Strafen wären auch heute noch abschreckend und mancher Betrüger fände sich in einem Käfig wieder, der einige Male in den Fluss getaucht würde, das Vermögen würde beschlagnahmt und der Betrüger vom Marktplatz verbannt. Eine heilsame und zugleich abschreckende Methode.
Wobei man sagen muss, dass die damaligen Betrüger in wesentlich kleinerem Stil betrogen, wenn man sich ansieht, wie diese Betrüger heute ganze Völker und Erdteile ausnehmen.
Markt ist etwas, dass nicht im luftleeren Raum stattfindet und stattfinden darf. Die Marktteilnehmer müssen sich an Regeln halten, diese Regeln müssen dem Allgemeinwohl untergeordnet sein, nicht dem Wohl der Marktteilnehmer.
Märkte müssen dem Wohl aller dienen.
Völker und Länder dürfen nicht zu Weiden werden, die abgegrast werden und nach deren Abgrasen weiter gezogen wird.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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