Traumergebnisse von 90 und mehr Prozent

Normalerweise wird dies als Kennzeichen von Diktaturen oder totalitären Systemen angeführt, in denen es mit der Zählweise nicht sonderlich ernst genommen wird. Die Führer werden umjubelt und als Problemlöser für Probleme aller Art angepriesen.

Vor allem die gleichgerichteten Medien stürzen sich auf dergleichen Ergebnisse und sollten solche Ergebnisse (90 Prozent und mehr) einmal nicht zustande kommen, sondern der von ihnen nichtgewünschte Kandidat mit normalen Ergebnissen gewählt werden, hindert es die Medienmeute auch nicht, von Wahlbetrug und dergleichen zu berichten.

Anders in NRW, dieser Tage wurde die Spitzenkandidatin der SPD, für den Landtagswahlkrampf in NRW gekürt und welch Wunder, die gescheiterte Wahlkampfhenne Hannelore Kraft, erhielt 99,3 Prozent. Von 423 Delegiertenstimmen gab es lediglich 2 Gegenstimmen und eine Enthaltung.  Natürlich lässt man einen ausgewählten Personenkreis abstimmen, damit das gewünschte Ergebnis zustande kommt. Ebenfalls ein Markenzeichen der demokratischen Parteien der BRD.

Die Grünen zogen nach, konnten allerdings nur ein Ergebnis von 98,5 Prozent liefern. Daher die Einstufung der Grünen als Protestpartei.

Am gestrigen Sonntag legte die FDP nach. Christian Lindner, zurückgetretener Generalsekretär und neuer Hoffnungsträger der geschundenen und dem Untergang ebenso nahestehende Partei wie die BRD, erhielt ein TRAUMERGEBNIS, 394 von 395 Delegiertenstimmen, also auch beinahe 100 Prozent. Lindner sprach sich nochmals gegen die Transfergesellschaft für die Schleckerangestellten aus. Was er vergaß zu erwähnen, ist, die Transfergesellschaft, auch EU genannt, die mittlerweile Gelder in Höhe von über 1 Billion verschlingt bzw. in den Rachen von Finanznomaden transferiert. Was er noch vergaß zu erwähnen, war der Transfer von hunderten Milliarden, Bankenrettung genannt, in den Schlund der, in der BRD, ansässigen Privat- und Landesbanken und von dort weiter zu internationalen Finanznomaden. Irgendwohin muss das Geld ja gekommen sein. Wohin, das sagt uns kein Mensch. Aus gutem Grund, so transparent soll die transparente Gesellschaft dann auch wieder nicht sein.
Der FDP-Landeschef Daniel Bahr meinte, die FDP werde gebraucht. Für wen oder was diese Partei noch gebraucht wird, konnte er nicht sagen. Wie auch.

Die Linke, und die CDU wollen diese Woche nachziehen, es werden ähnliche Ergebnisse zu erwarten sein. Die Parteitagsdelegierten funktionieren immer, wie auch die Abgeordneten in den Parlamenten immer funktionieren.
Die Partei hat immer recht, Partei befiehl, wir folgen. Dies ist immer gültig, auf jeder Ebene. Wäre es anders, gäbe es keine Parteien, hätten sie ihre Daseinsberechtigung, ihren Sinn verloren. Sind doch Parteien der Rauch, der Theaterdonner, der dem zahlenden Publikum das Schauspiel Demokratie vorführt und das bis zum Erbrechen, wir werden diesen Kelch bis zur Neige leeren. Ob wir wollen oder nicht. Niemand wird uns fragen, niemand wird unsere Stimme hören, niemand wird unsere Wünsche berücksichtigen, es sei denn, wir fragen das Richtige, wir sagen das Richtige und wir wünschen uns das Richtige. Da soll noch einer sagen, es läge nicht an uns selbst, ob wir gehört werden oder nicht.

Ich kann nur immer wieder an alle Wähler appellieren, geht wählen, wenn es auch vordergründig nichts bringt. Wählt keine der etablierten und gehätschelten Parteien, es gibt kein kleineres Übel, wählt euch irgendeine Partei aus dem 1 %-Spektrum aus, gebt denen eure Stimme. Dann wird eure Stimme gezählt, entzieht den etablierten Parteien Geld, das ist ja auch etwas, und schwächt deren Legitimation. Wahlverweigerung ist eine Trotzreaktion, die nichts bringt, außer Wahlerfolge für die Kartellparteien.
Wahlen können etwas ändern, müssen nicht. Nichtwählen ändert jedoch überhaupt nichts, man entzieht sich lediglich der einen Möglichkeit, die wir überhaupt haben, den Kartellparteien eins auszuwischen und zumindest lange Gesichter zu produzieren und den einen oder anderen überheblichen Volksvertreter ins Arbeitsleben zu überführen. Die Grünen zogen einmal mit dem Prinzip „Rotation“ in die Parlamente, das währte nicht lange, lassen also wir sie rotieren, bis ihnen schwindlig wird. Wenn wir auch nicht viel können, das könnten wir.

 

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Traumergebnisse von 90 und mehr Prozent

  1. rundertischdgf schreibt:

    Gerhard Bauer, wieder ein sehr guter Beitrag als Start in die Osterwoche. Treffend auch der Vergleich von Schlecker und der Euromisere. Deshalb fragen wir auch mal bei diesem FDP Jungstar Lindner nach, warum eigentlich die FDP Merkels Spiel mitmacht.
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/03/31/das-verhalten-der-fdp-zum-esm-befragt/
    Übrigens Bauers Betrachtungen haben es verdient weiterverbreitet zu werden. Wir tun das mit einem Verweis auf diesen Artikel.

  2. Stefan Wehmeier schreibt:

    „Die Not der breiten Volksmasse führt zu starken innerpolitischen Spannungen. Der Staat ist der mit Gewalt verhinderte Bürgerkrieg. In der Absicht, diese Spannungen zu mildern, werden der Masse politische Rechte gewährt; man gelangt allmählich zur Staatsform der Demokratie. Die Arbeitenden leben in dem Glauben, ihre politische Gleichberechtigung werde die wirtschaftliche nach sich ziehen. Allein, die erwartete Besserung tritt nicht ein, kann ja gar nicht eintreten. Was man durch das allgemeine Wahlrecht und den Parlamentarismus zu erreichen hofft, ist ja das wirtschaftliche Ziel des vollen Arbeitsertrages. Dieses Ziel aber setzt, wie wir wissen, die wirtschaftliche Freiheit voraus, das heißt den freien Wettbewerb, die Zerstörung bzw. Unschädlichmachung der Monopole. Diese Monopole hat man aber zum Teil als solche gar nicht erkannt. Wie soll sich da die Lage der Arbeitenden bessern?
    Weil die Marktwirtschaft infolge der bestehenden Monopole nicht richtig funktionieren kann, müssen sich ständig wirtschaftliche und soziale Störungen ergeben. Anstatt nun aber das Übel bei der Wurzel zu packen und die Monopole unschädlich zu machen, begnügt man sich damit, an den Erscheinungen herumzukurieren. Man beschließt immer neue und immer tiefere Eingriffe in die Wirtschaft, wodurch man bald dieser bald jener Gruppe Sondervorteile verschafft. Beim Aushandeln dieser zahllosen Planwirtschaftsgesetze tritt der parlamentarische Kuhhandel in Aktion, das Feilschen der politischen Parteien um die Vorteile, die jede von ihnen „ihren“ Wählern zu verschaffen trachtet. So entartet unter der Herrschaft der Monopole der an sich gesunde Gedanke der Demokratie zum parlamentarisch verbrämten Schacher um Gruppenvorteile. Das Parlament wird zur Gesetzesfabrik, aus der sich unaufhaltsam eine Paragraphenflut über das hilflose Volk ergießt, in dessen Namen man regiert. Die Monopole und die von ihnen veranlasste Planwirtschaft morden die Demokratie. Das darf nicht wundernehmen. Demokratie setzt Freiheit und Gleichberechtigung voraus; beides aber kann es in der herkömmlichen Monopolwirtschaft nicht geben.“

    Otto Valentin („Die Lösung der Sozialen Frage“, 1952)

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

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