Herr Winterkorn ist nicht gekommen

Diese Überschrift fand ich beim Überfliegen der FAZ im Netz. Da es unter Rubrik „Frühkritik“ stand, las ich ein bisschen mehr und wurde fündig. Herr Winterkorn wurde vor das Fernsehtribunal geladen, auch „Talkrunde“ genannt. Der Leiter der Schwätzrunde war Plasberg, er hat Herrn Winterkorn vorgeladen und dieser hat nicht Folge geleistet. Recht hatte er. Herr Winterkorn sollte sein ungewöhnlich hohes Gehalt rechtfertigen. Im FAZ-Artikel, der immerhin im Bereich Wirtschaft zu finden war, wurde dies bedauert. Im China der Kulturrevolution gab es Wandzeitungen und öffentliche Selbstkritik, in der BRD gibt es Schwätzrunden und ähnliches.

Herr Winterkorn, Vorstandsvorsitzender bei VW, verdiente im Jahr 2011 immerhin 16,7 Millionen Euro, davon sind 74 % Bonus, also eine Bezahlung für erfolgreiche, vertragsgemäße Arbeit. Die Mitarbeiter von VW erhielten einen Bonus von 88 Prozent, also auch einen schönen Batzen obendrauf. Die Aktionäre erhielten eine gute Dividende, zusätzlich wurden 11 000 Arbeitsplätze geschaffen, leider war dem Artikel nicht zu entnehmen, ob diese Arbeitsplätze in der BRD geschaffen wurden, ich nehme an nicht nur in der BRD. Bonuszahlungen also eine Vergütung für erfolgreiches unternehmerisches Wirtschaften, ist den Gierschlünden der Nation natürlich etwas fremdes, es muss sie befremden, so etwas kennen sie nicht.

Die einen meinten, große Klasse, darunter der FDP-Generalsekretär, die anderen meinten es sei nicht gerechtfertigt. Die komische Sarah von den Linken meinte gar, kein Mensch brauche 16 Millionen zum Leben und forderte einen Steuersatz von 75 %, mindestens, wohlgemerkt.

Was sagt man dazu, da bekommt ein erfolgreicher Vorstandsvorsitzender eines Unternehmens mit immerhin 500 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 160 Mrd. Euro, eine Erfolgsprämie und schon meinen die Gierschlünde der Nation, dies stünde ihm nicht zu. Es steht ihm genau das zu, was ihm vertraglich zugesichert wurde. Nicht mehr und weniger. Ob das große Klasse ist oder überbezahlt, haben wir nicht bewerten, es ist nicht unser Geld, das da ausbezahlt wird. Verträge werden geschlossen und Verträge müssen gehalten werden.
Der Mann hat sicherlich einiges geleistet, was man von den Kritikern, allen voran diese Sarah, nicht unbedingt behaupten kann. Natürlich gibt es Ungerechtigkeiten, fühlen sich manche zurückgesetzt, übergangen und was weiß ich noch alles. Aber zäumen wir das Pferd doch einmal von vorne auf. Hätte nur ein Deutscher einen Euro mehr, würde Herr Winterkorn mit dem nach Hause gehen, was man zum Leben braucht? Dies würde dann von Leuten wie dieser Sarah, von den Linken festgelegt, zumindest das, was andere zum Leben brauchen oder ihnen zugestanden wird. Sich selbst gegenüber sind diese Sarahs, Oskars, Gregors und wie sie alle heißen wesentlich großzügiger.
Zum Vergleich, der Bundeshaushalt 2012 hat den Betrag von 306 Milliarden Euro. Also knapp das doppelte Volumen. Während Herr Winterkorn Gewinne einfährt, steuert diese Republik auf einen Konkurs zu der sich gewaschen hat, ganz ohne Krieg. Das muss man auch erst einmal schaffen. Normalerweise ging es in Friedenszeiten mit den Deutschen immer bergauf. Würde man das Leistungsprinzip bei den Abgeordneten dieser bunten Republik ansetzen, müssten sie Geld drauf legen.

Zurück zu Herrn Winterkorn. Nicht ein Deutscher hätte mehr im Geldbeutel, wenn Herr Winterkorn mit einem normalen VW-Arbeitergehalt nach Hause ginge, nicht einer hätte mehr Geld, würde Herr Winterkorn 75 % + X Steuern bezahlen. Die Beute würde unter den Herren der Staatsmacht verteilt und/oder an fremde Länder oder Ausländer verschenkt. Niemand von uns hätte etwas davon.
Soviel zu den Vorschlägen der Linken und Gefolge. Hier wird mit den niederen Instinkten der Menschen gespielt und bei einigen fällt dies sicherlich auch auf fruchtbaren, geistigen Boden.

Wo anfangen und aufhören? Ist es gerecht, dass ein VW-Arbeiter (oder jeder andere der tariflich wesentlich besser gestellt ist als andere) um soviel mehr verdient, wie ein anderer Metallarbeiter am selben Ort?
Ist es gerecht, dass die Aktionäre jede Menge Dividende mit nach Hause nehmen, obwohl sie meist nicht unternehmerisch tätig sind und nur die Anteile halten?
Könnten Gewinne dieser Größenordnung nicht anders verwendet werden? Sicherlich wäre da einiges zu machen. Z. B., dass VWs in Deutschland nicht zu überhöhten Preisen angeboten werden, sondern zu Konditionen, wie in anderen Ländern auch oder sogar billiger. Auch könnten Leiharbeitsverhältnisse in Normalarbeitsverhältnisse umgewandelt werden. Vieles wäre möglich aber nicht in diesem Land, nicht in diesem System, in dem Geld und Profit die Maßstäbe sind.

Ich möchte noch auf anderes hinweisen. Leute wie Herr Winterkorn leisten etwas, sie sind unternehmerisch tätig. Wie sieht es mit dem Gehalt von Herrn Plasberg aus, verdient dieser Herr nicht auch zuviel? Würde hier die Verhältnismäßigkeit angesetzt, wäre das Gehalt der Plasbergs und Co. sicherlich um einiges niedriger.
In der Süddeutschen fand ich einen Artikel, aus dem Jahre 2007, in dem bekanntgemacht wurde, dass Plasberg pro Sendung eine Gage von 17 000 Euro erhält, zusätzlich noch einmal 2400 Euro für redaktionelle Mitarbeit. Die Produktionsfirma mit der Plasberg seine Schwätzrunde produziert, erhielt für drei Jahre ca. 15 Millionen Euro. Auch an dieser Firma ist Plasberg wesentlich beteiligt. Summa summarum kostet uns Zwangsgebührenzahler die Plasberg-Schwatzrunde über 20 Millionen in drei Jahren. Vielleicht sollte sich Herr Plasberg zum Gegenstand seiner Sendung machen und sein Einkommen vor uns, dem Zwangsgebührenzahler, rechtfertigen. Plasberg gehört damit nicht zu den Spitzenverdienern des Zwangsgebührenfernsehens.
Ob ich einen VW kaufe oder nicht, kann ich frei entscheiden, ob ich Kerle wie Plasberg finanziere nicht und das ist ein gewaltiger Unterschied.

Was ist mit Sportlern, Schauspielern? Die verdienen sehr häufig wesentlich mehr als Herr Winterkorn und andere unternehmerisch tätige Menschen. Massen jubeln ihnen zu und keiner kommt auf den Gedanken, woher das Geld kommt, dass die Kerle in kurzen Hosen oder Autos verdienen.
Jeder von uns bezahlt dies, ob er will oder nicht. Er bezahlt sie u. a. über Fernsehgebühren, über die Aufschläge die auf Produkte gemacht werden, die diese Kerle bewerben.
Kurz noch zum „kostenlosen“ Privatfernsehen, es kostet im Prinzip mehr als die öffentlich-rechtlichen Sender. Auf jedem gekauften, beworbenen Produkt ist der Aufschlag für die teure Werbung enthalten und der ist nicht zu knapp. Natürlich betrifft dies auch alle anderen Werbeformen. Je teurer, aufwendiger die Werbung, umso höher der Aufschlag, umso höher der Preis den der Käufer bezahlen muss.

Zum Schluss, Einkommen von Führungskräften, Mitarbeitern auf verschiedenen Ebenen, müssen einigermaßen im Einklang sein. In japanischen Großunternehmen oder einigen davon, soll es so sein, dass der Vorstandsvorsitzende nicht mehr als das 40fache des Gehaltes eines normalen Angestellten bekommt. Eine solche Koppelung finde ich vernünftig und praktikabel. Man stelle sich vor, die Mindestrente wäre an die Diäten der Abgeordneten gekoppelt. Ein sorgenfreies Rentnerdasein wäre gewiss.

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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4 Antworten zu Herr Winterkorn ist nicht gekommen

  1. Gutartiges Geschwulst schreibt:

    Brillant!

  2. rundertischdgf schreibt:

    Jetzt mal ganz im Ernst, warum wurde nicht Gehard Bauer eingeladen. Text sehr gut. Auf den verweisen wir!
    http://rundertischdgf.wordpress.com/

  3. Pingback: VW Chef wurde von Plasberg geladen « rundertischdgf

  4. Pingback: Herr Winterkorn ist nicht gekommen » altmod

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