Die Risikofreudigkeit der Deutschen

Wie WeltOnline berichtet, wird seit dem Jahr 2004 eine Studie zur Risikoneigung gemacht.  Jedes Jahr werden von Infratest 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten befragt, die Daten werden in einem Sozio-oekonomischen Panel gesammelt (Schreibweise von WO übernommen).
Dann kommt irgendein Studienmacher, stellt sich eine Frage, gibt sich die Antwort und wertet dann die erhobenen Daten so aus, dass das die Antwort bestätigt wird. Den Sums veröffentlicht der Macher, bekommt dafür auch noch Geld, höchstwahrscheinlich Steuergeld, wer sonst würde so einen Schmarrn aus eigener Tasche bezahlen.
In der Studie wird unterschieden zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen, wobei mit Ostdeutschen die Mitteldeutschen gemeint sind, diejenigen die in der ehemaligen DDR aufwuchsen. Die Ostdeutschen befinden sich seit langem in dem Konstrukt BRD, wurden aus ihrer Heimat vertrieben und nur ein kleiner Teil ist noch in Ostdeutschland ansässig. Das musste auch mal gesagt werden.

Aber zurück zur Risikofreudigkeit. Die mitteldeutschen Männer und Frauen sollen also risikofreudiger sein, als ihre westdeutschen Brüder und Schwestern. Wie drückt sich diese Risikofreudigkeit aus, etwa durch schnelleres Autofahren, gefährlichere Überholmanöver, wegen der Bereitschaft sich, an einem Gummiseil angebunden, von einer Brücke zu stürzen, in der Neigung sich unternehmerisch zu betätigen oder sich in der Freizeit mit gefährlichen Sportarten wie Drachenfliegen zu beschäftigen? Nichts von alledem, auch S-Bahn-Surfen oder Pokern ist nicht gemeint.
Der Hellhörige, jener der das Gras wachsen hört, wird die Richtung schon erkennen. Das eingegangene Risiko heißt: KINDER.
Wie könnte es auch anders sein. Mitteldeutsche Männer und Frauen entscheiden sich trotz mancher Zukunftsungewissheit mehr für Kinder als ihre westdeutschen Stammesgeschwister. Ganz nebenbei gefragt, ist die Zukunft nicht immer ungewiss oder habe ich da etwas versäumt. In einer Zeit, in der in der DDR die Zukunft sehr gewiss war, alles war ja bestens staatlich geordnet, bekamen die Westdeutschen viele Kinder, im Verhältnis zu heute. In der BRD war die Zukunft alles andere als ungewiss, sicher es gab das Wirtschafts“wunder“, allerdings nur ein paar Jahre lang, vorher Unsicherheit und danach Willy Brandt und Nachfolger, die Katastrophe.

Aber egal. Die Macher dieser Studie kommen zu dem Ergebnis, die Hausfrauenrolle, wie könnte es anders sein, ist schuld daran, dass die westdeutschen Frauen, sich nicht so risikobereit für Kinder entscheiden, wie ihre, in der DDR, an der Werkbank stehenden Geschlechtsgenossinnen in Mitteldeutschland.
Auch die mitteldeutschen Männer entschieden sich eher für ein Kind, als die westdeutschen. Ob daran auch die Hausfrauenrolle Schuld ist?

Der Macher der Studie behauptet, die Hausfrauenrolle der westdeutschen Frauen sei verantwortlich. Das Ergebnis der Studie ist nur eine Behauptung, kein Beweis. Wie diese Studien allesamt nur Behauptungen sind, Behauptungen denen ein paar Daten, die passenden, untergeschoben sind. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Hier haben wir sie wieder, die Hausfrau, das Heimchen am Herd, das sich scheut allein aus dem Haus zu gehen, es könnte ja sein, dass ihr der Himmel auf den Kopf stürzt. Nur in Begleitung ihres Gatten ist sie sicher und selbstbewusst, am wohlsten fühlt sie sich hinter dem Herd. Ansonsten sind sie unselbstständige Lebewesen.

Darüber möchte ich mich nicht mehr weiter auslassen. Ich weiß nur eines, der Macher dieser Studie, wie auch die ganzen „taffen“ Weibchen von heute, wären von diesen Frauen, den unselbstständigen Hausfrauen vergangener Zeiten, geschnupft worden.
In Zeiten in den die Frauen angeblich nicht gleichberechtigt waren, d. h. in den Zeiten, als die Menschen ihr Zusammenleben noch einigermaßen selbst regeln konnten, lebten viele dieser Frauen ein gleichberechtigtes Leben, von dem diese heutigen Modepüppchen, Verzeihung, „taffen“ Frauen, nur träumen können.
Vieles an dieser Gleichberechtigung liegt am Menschen selbst. Es gab und gibt auch Männchen, die durchaus nicht gleichberechtigt sind oder waren, diese bezeichnet man als unter dem Pantoffel stehend oder als Pantoffelhelden. Es gab sie und es wird sie immer geben, wie auch die untergeordnete Frau.
Mögen sie auch Quoten und Gesetze schaffen, soviel und solange sie lustig sind, an den Unterschieden zwischen den Menschen, innerhalb und zwischen den Geschlechtern werden sie nichts ändern können. Ihre Gesetze vergehen, ihre Regierungen und Systeme gehen unter, die Menschen aber, die Menschen bleiben immer gleich. Lasst die Gesetze und Zwangsvorschriften weg und innerhalb kurzer Zeit wird sich das Leben wieder so organisieren, wie das Leben es selbst für am vorteilhaftesten hält. Risiko hin, Risiko her.

Noch ein Wort zum Risiko. Das Leben ist lebensgefährlich, die Geburt beinhaltet bereits den Tod, das Risiko beginnt bereits mit der Zeugung, nicht nur für die Eltern, sondern vor allem für das Kind, dessen Zukunft äußerst ungewiss ist. Niemand kann das Risiko des Lebens vermeiden. Wenn es auch heute so scheint, Vorsorgeuntersuchungen, Sicherheitsgurte, Sicherheitssysteme im Auto, Risikovermeidung aller Orten, wohin man blickt. Schön und gut, es sind zum Großteil nur Geschäftsmodelle, die mit der Angst der Menschen spielen.
Das Risiko, die Gefahr sucht sich ihren Weg und ihren Zugang und sie verschafft sich diesen, da kann man sich auf den Kopf stellen und mit dem Allerwertesten wackeln. Es hilft alles nichts.
Nehmen wir das Beispiel Kinderlosigkeit, diese soll ja eine Risikovermeidungsstrategie sein. Gestern fuhr ich, bei Schulschluss, an einer Altenpflegeschule vorbei. Was ich da aus dem Gebäude strömen sah, öffnete einen Blick auf die Zukunft vieler Menschen, allen voran die der Kinderlosen.
Viele Schätze, nicht nur weibliche, verließen die Schule. Viele von denen sahen so aus, als ob sie in einer Umschulungsmaßnahme und nicht der ersten, steckten. So wird also die Arbeitslosenstatistik frisiert und ein privater Schulbetreiber streicht unser Geld ein. Diese Leute sollen also einmal die alten Menschen pflegen und ein menschenwürdiges Leben garantieren, wenn es gar nicht mehr so menschenwürdig ist. „Hey Alte(r), mach Dich nicht nass.“ so und ähnlich dürfte dann der Umgangston sein.
Wer wird diese Kinderlosen im Krankenhaus/Alters- oder Pflegeheim besuchen, kleinere Besorgungen für sie erledigen und, und, und. Sie werden einsam und verlassen ihrem Ende entgegenhoffen. Die moderne Medizin wird sie allerdings nicht so schnell vom Haken lassen. Sie bedeuten Umsatz und Gewinn, erst wenn das Verhältnis nicht mehr passt, werden sie in den Tod, die Erlösung, entlassen werden. Der Markt wird entscheiden.
„Der Stecker wird gezogen.“, welch kaltblütige Ausdrucksweise hier Einzug gehalten hat, zeigt, in welch Zeiten wir leben und entgegensteuern.
Die Entscheidungen über diese Leute werden dann von anderen, von fremden Menschen getroffen. Wo bei anderen die Familie steht, steht bei denen der amtlich bestellte Vormund, irgendeine Gruppe von Menschen, die kein persönliches Verhältnis zum Betroffenen hat.

Je mehr Risikovermeidungsstrategien gefahren werden, je mehr Sicherheit gefordert und vermeintlich umgesetzt wird, umso härter wird das Eintreffen, nicht der Gefahr, sondern der elementaren Wucht der Tatsachen ausfallen. Nehmen wir das Risiko des Lebens an, das bedeutet nicht Hazard zu spielen. Leben bedeutet Sicherheit und Risiko zugleich, lassen wir das Risiko zu und lassen es seinen, ihm gebührenden, Platz einnehmen.

Nur eines noch zum Schluss, Kinder sind kein Risiko, auch keine Sicherheit. Kinder sind der Garant des Weiterlebens der menschlichen Art, des eigenen Volkes. Kinder sind ein ganz normaler Bestandteil des Lebens, wer sich diesem verschließt, bekommt früher oder später die Rechnung präsentiert. Z. B. heißt es ja auch, dass Frauen die nicht stillen, mit größerer Wahrscheinlichkeit Brustkrebs bekommen. Da helfen auch Reihenuntersuchungen nichts, da hilft nur eines.
Welche Auswirkungen psychisch und physisch hat es auf den Körper von Frauen, die dazu bestimmt sind Kinder zu gebären und keine bekommen?
Welche Auswirkungen hat es auf die Psyche von Männern, die dazu bestimmt sind, Frau und Kinder mit zu ernähren, zu beschützen, wenn sie weib- und kinderlos bleiben?
Wenn man sich die infantilen Erwachsenen ansieht, sind sie meist kinder- oder verantwortungslos, d. h. sie sind geschieden und haben die Kinder dem anderen Elternteil oder gar dem Staat überlassen.

Familie, Kinder, Hausbau, Geschäftsgründung, Wechsel des Arbeitsplatzes, Fahrt zur Arbeit oder in den Urlaub, alles, jeder Schritt in unserem Leben, ist mit Risiko verbunden.  Wer das Risiko scheut, scheut das Leben und kann ihm doch nicht entrinnen. Wie sollte dies auch gelingen?

Noch ein letztes Wort. Hausfrauenrolle, Geschlechterolle etc. da wird uns vorgespielt, es sei nur eine Rolle, eine Rolle in einem Theaterstück, die man frei wählen könnte. Unser Leben ist kein Theaterstück und unser Leben ist keine Rolle, sie ist nicht frei wählbar.

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Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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