Gedanken zu Dresden

Dresden wollte ich eigentlich nicht behandeln, nachdem ich aber einen Bericht in WeltOnline las, ärgerte ich mich. Es wird ganz offensichtlich Geschichtsklitterung betrieben und ganz selbstverständlich wird Geschichtsrevisionismus mit Neonazismus gleichgestellt. Sollen sie machen und schreiben, was sie wollen, nur sollen sie dieses Recht auch anderen zubilligen. Beim Thema Geschichtsrevisionismus fällt mir sofort Katyn ein, dass ja auch ein Verbrechen der Deutschen war und unter besonderem Schutz stand. Erst Gorbatschow öffnete das Moskauer Archiv einen kleinen Spalt weit und siehe da, die Geschichte konnte umgeschrieben werden. Wenn man dann noch bedenkt, dass einige deutsche Offiziere wegen dieses Massakers zum Tode verurteilt wurden, andere zu Zwangsarbeit in russischen Lagern (die deutschen Offiziere habe diese Verbrechen gestanden, das muss auch noch vermerkt werden), dass im Nürnberger Tribunal zweifelsfrei festgestellt wurde, dass dieses Verbrechen von der deutschen Wehrmacht begangen wurde, dann lässt dies einige Rückschlüsse auf die Wahrheitsliebe der Sieger zu und unterstreicht die Notwendigkeit, dass endlich die Archive geöffnet werden müssen, um Geschichtsforschung betreiben zu können. In der Nachkriegszeit wurde in wesentlichen Teilen die sowjetische Geschichtsschreibung übernommen und hat inzwischen den Stand eines Dogmas erreicht.

Mir berichtete ein Bekannter, damals ein 16-jähriger Junge, der mit seinen Eltern aus Schlesien flüchtete und vor der Stadt lagerte, wie er die Bombenangriffe erlebte bzw. bei der Beseitigung der Toten mithelfen musste. Beim Erzählen standen ihm die Tränen in den Augen und tiefeingebrannt war der Hass auf die englischen und amerikanischen Terrorbomber, die auf nichts anderes aus waren, als eine möglichst große Zahl von Deutschen zu töten.
Es war ihnen egal, ob Soldaten (in einem Krieg verständlich) oder Zivilisten jeden Alters und jeden Geschlechts (ein Verbrechen). Dies geschah nicht nur an diesen Tagen, sondern war gängige Praxis im niedergeworfenen Deutschland, sowohl vom östlichen, wie auch von den westlichen Kriegsgegnern.

Von Tieffliegerjagden auf Menschen wird glaubwürdig berichtet, auch wenn diese heute von der offiziellen Geschichtsschreibung abgestritten oder als bloße Einzelfälle dargestellt werden.
Auch dies eine Lüge und ein schlechter Versuch Tatsachen zu leugnen, es gibt genügend Augenzeugenberichte, darunter auch in Ernst von Salomons Buch, „Der Fragebogen“, dass Tiefflieger wahllos jagten und töteten, aber auch von Bodentruppen auf alles geschossen wurde, was sich bewegte.
In einer benachbarten Ortschaft gingen amerikanische Soldaten durch die Häuser und warfen in jeden Keller eine Handgranate. Tür auf und rein damit, nicht groß nachgefragt, „Nur ein toter Deutscher, ist ein guter Deutscher.“. Wohlgemerkt in dieser Ortschaft fanden keinerlei Kampfhandlungen statt.
Auch meine Schwiegermutter, damals ein heranwachsendes Mädchen, wurde im tiefsten Niederbayern, von Tieffliegern auf dem Schulweg angegriffen. In der angegriffenen Gruppe waren lediglich Kinder, die sich auf dem Heimweg befanden. Wie Ernst von Salomon schrieb, nutzten die Jagdflieger u. a. die Zeit, wenn die Bomber mit dem Zerstören deutscher Städte beschäftigt waren, und suchten sich Ziele auf dem Land.

Ernst Jünger schrieb einmal, es gäbe einen Unterschied zwischen Geiselerschießungen im Krieg, die seien Mord, und Bombardierungen, die seien eine Kriegshandlung, da der Angreifer ein Risiko trage. Hier sehe ich die Sache ganz anders, erstens war das Risiko im niedergeworfenen Deutschen Reich nicht mehr allzu groß, zweitens ist es eine Sache, ein militärisches oder militärisch wichtiges Ziel anzugreifen, wobei auch Zivilisten sterben können, z. B. Fabrikangestellte etc.. Es ist aber eine ganz andere Sache gezielt Terror zu verbreiten, Wohngebiete anzugreifen und auf wehrlose Menschen auf offenem Feld Jagd zu machen, vom sicheren Flugzeug oder Panzer aus. Auch wenn noch ein geringes Restrisiko bestand, das Risiko war nicht größer, als wenn man heute ins Auto einsteigt. Ist ein Mörder kein Mörder, nur weil er ein Risiko trägt?

Nun will ich den Bogen noch weiterspannen, Ernst Jünger sprach von einem Risiko das der Bombenflieger noch hat. Wie sieht es dann aber heute aus, wenn mit Lenkwaffen, mit Bombern die außerhalb der Reichweite feindlicher Waffen fliegen bombardiert wird. Wie  in Vietnam, als die B-52-Bomberpiloten, bei einer Tasse Kaffee und einem gemütlichen Plausch, das unter ihnen liegende Land verwüsteten? Von Risiko keine Spur mehr.
Betrachten wir uns die letzten Kriege, die sämtliche von den USA, deren Kettenhunden und Israel geführt wurden. Hatten die Zielländer auch nur den Hauch einer Chance sich zu wehren, trug der Angreifer ein Risiko?
Kann auch das Hinschlachten von verteidigungsunfähigen Soldaten Mord sein?

Mögen die Geschichtsklitterer heute schreiben was sie wollen, das ist vollkommen egal. Der Zweite Weltkrieg war kein zwangsläufiges Naturereignis, er hätte noch vor 1941 beendet werden können. Ja, wenn sie denn gewollt hätten. Die Deutschen, nein, nicht die Deutschen, die haben Friedensangebote in Masse unterbreitet, sowohl die Reichsregierung als auch die Opposition, sie wurden allesamt abgelehnt bzw. nichtbeachtet. Um den Flug von Rudolf Hess wird heute noch ein großes Geheimnis gemacht und die Sperrfrist der Akten wird immer wieder verlängert. Eines Tages werden die Akten verschwunden sein, bedauerlicherweise natürlich.
In meiner Kindheit hörte ich von ehemaligen Soldaten oft den Spruch: „Wir haben den Krieg verloren, wir haben ihn total verloren. Deshalb müssen wir heute das Maul halten.“. Das haben sie getan und was hätten sie auch anderes tun sollen?
Was wir tun können? Das Maul aufmachen, den totalen Verlierern des Krieges zu ihrem Recht verhelfen, dass sie keine Verbrecher, keine kriegslüsternen Ungeheuer waren.
Wenn dieser Schritt in Gedanken gemacht wurde, dann wird die Ungeheuerlichkeit dieser Bombardierungen durch alliierte Bomber in einem ganz anderern Licht erscheinen. Ein Volk wurde niedergebombt, ein Land zerstückelt, Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Warum? Es war im Weg. Ganz einfach.

Wieso, es im Weg war? Schaut euch die heutige Welt an und ihr wisst es.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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