Isländer wollen nicht für falsche Unternehmenspolitik zahlen

In einer Volksabstimmung entschieden die Isländer, dass sie nicht für die Schulden der Pleitebank Icesave aufkommen wollen.

Obwohl die Umfragen anders prophezeiten, entschieden sich die Isländer für den eigenen Geldbeutel, die eigenen Interessen und wollten nicht für die Misswirtschaft einiger Banker in Haftung genommen werden.

Der Demos hat entschieden, so wie es in einer Demokratie üblich ist. Die Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir sagte, dies sei der „denkbar schlechteste Ausgang“. Ihre Regierung hatte sich für ein Ja eingesetzt. Wie es so üblich ist, wenn man über das Geld anderer Leute entscheidet, gibt man es bedenkenlos und gerne aus. In diesem Punkt sind sich die derzeitigen Regierungen innerhalb der EU einig, Island ist ja auch offizieller Beitrittskandidat und da müsste man sich dann auch regelkonform verhalten. Die Bürger bezahlen für die Misswirtschaft der Banken.

Die entscheidende Frage, wohin das Geld gekommen ist, stellt keine diese Regierungen.
Folge der Spur des Geldes und die Verantwortlichen werden gefunden. Dann könne man evtl. über Gerichtsverfahren, Betrugsanzeigen, Kontensperrungen an das auf unsaubere Weise verdiente Geld wieder herankommen und so den Einlegern zu ihrem Geld verhelfen und für die Zukunft vorbeugen.

Die Isländer sollten 3,8 Mrd. Euro an London und Den Haag überweisen, da diese Regierungen den heimischen Kunden ihre Einlagen erstatteten, die sie bei der zusammengebrochenen Bank hatten. Es wäre interessant welche Personen Erstattungen erhielten und in welcher Höhe, vielleicht fände sich der eine oder andere Prominente darunter.

Die Isländer sollten sich allerdings noch nicht zu früh freuen. In einem EU-Gerichtsverfahren wird über die Rückzahlung entschieden werden, ihr Wille zählt dann nur noch wenig.
Anstatt zu versuchen den Betrügern auf die Spur zu kommen, wird darüber entschieden den Bürgern eines Landes, die weder mit den Spareinlagen, noch mit den Bankgeschäften etwas zu hatten, ihr Geld zu nehmen oder nicht. Alleine der Vorgang ist skandalös.

Für Deutschland ist dies jedoch mittlerweile ein gewohnter Vorgang. Deutschland bezahlt auf jeden Fall. Dürfen die Deutschen doch nicht über die Verwendung ihres Geldes mitentscheiden.

Besonderes an der Situation ist auch noch folgendes, die Pleitebank hatte in den Niederlanden und Großbritannien mehr Kunden als Island Einwohner hat, die Guthaben der Bank entsprachen etwa der Hälfte der Wirtschaftsleistung Islands, auf deutsche Verhältnisse umgerechnet wären dies ca. 1 Billion Euro.
Zudem erstatteten die Regierungen in Den Haag und London den Einlegern ihre Guthaben, ohne eine Zusage aus Reykjavik erhalten zu haben.
Dann sollten eben die Briten und Niederländer mit ihren Regierungen zu Gericht gehen, wieso sie, die Unbeteiligten,  für Bankenmisswirtschaft bezahlen müssen und nicht betrügerische Banker und die Eigentümer der jeweiligen Banken in Haftung genommen werden.
In diesen Ländern ist diese Frage allerdings längst geklärt, wie auch in der BRD.

Über Gerhard Bauer

Sechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
Dieser Beitrag wurde unter EU, Finanzwirtschaft, Internationales abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Isländer wollen nicht für falsche Unternehmenspolitik zahlen

  1. Hans schreibt:

    Ja, so viel zu Demokratie.

  2. Sympathieträger schreibt:

    Und erstaunlich ist und bleibt es, daß sich die Menschen um kleine Beträge
    so verbittert schlagen, da werden Prozesse mit lächerlichen Streitwerten
    bis in die höchsten Instanzen durchgefochten, da werden Pfändungen und
    Zwangsversteigerungen von Privat und vom Staat gnadenlos durchgeführt
    und, wenn die Summen eine gewisse Größe übersteigen, ist alles ganz egal.
    Ein Phänomen.

Kommentare sind geschlossen.