Kommunalwahlen in Hessen – Ein Land steigt ab

In Hessen wurde gewählt. Eigentlich nichts besonderes, ein ganz normaler Vorgang. Jahrzehntelang geübt, organisiert und durchgeführt. Ja wenn da nicht, ja wenn da nicht die sich mittlerweile breitmachende Unfähigkeit wäre.

In Selters, Maintal und Frankfurt soll es recht schlampig zugegangen sein. So berichtet die FAZ: „In Selters, einer Gemeinde im Taunus, warfen Helfer noch am Wahlabend drei versiegelte Kisten mit Briefwahlunterlagen von 655 Wählern in den Müll. In Maintal gingen in drei Bezirken die Wahlzettel aus. Außerdem wurde der Vorraum einer Damentoilette aus Platzmangel kurzerhand zum Wahllokal umfunktioniert.“

In Frankfurt am Main müssen sage und schreibe 19 000  ungültige Stimmzettel erneut überprüft werden, der Grund, die Wahlhelfer kannten das Wahlrecht nicht.
Auf der Weltnetzseite der Stadt wurden 93 Kandidaten als „Gewählt“ veröffentlicht, obwohl die Stimmenauszählung noch lief. Da mag es manch langes Gesicht gegeben haben.

Für sich gesehen, wären dies alles Vorkommnisse die mal „passieren“ können, wenn man es allerdings in das Gesamtbild unseres Landes einsetzt, dann kann man deutlich erkennen, dass sich etwas grundlegend geändert hat. Die Zuverlässigkeit, die Ordnung, die Genauigkeit ging/geht verloren.

Die Wahlbeteiligung bei diesen Kommunalwahlen lag bei 39 Prozent. Die Bürger haben einfach die Schnauze voll, von diesem Politzirkus. Mittlerweile haben sie fast alle Spielarten der Parteienkonstellationen durchgespielt, das Ergebnis, es änderte sich nichts. Nur andere Pappnasen hielten Sonntagsreden, logen und betrogen. Die paar Aufrechten wurden rausgedrückt und durch Apparatschiks ersetzt.

Nicht der Wähler ist an diesen Zuständen schuld, wie so gerne unterstellt wird. Der Wähler sind wir, jeder einzelne von uns. Wir wissen was wir gewählt haben, was wir gewollt haben und was nicht, was versprochen wurde, was nicht gehalten wurde, was gemacht wurde, ohne,  dass vor der Wahl ein Wort darüber verloren wurde. Wer hat nicht schon gewählt und hinterher etwas ganz anderes bekommen. Viele die bei der letzten Bundestagswahl FDP gewählt haben, haben sicher etwas anderes erwartet, als sie letztlich bekommen haben, nur mal ein Beispiel.
Der Einfluss den der Wähler hat, ist zu vernachlässigen und hat nur am Wahltag und am Wahlabend etwas Gewicht. Danach wird zur Tagesordnung übergegangen und regiert. Sei es in der Gemeinde oder im Bund, ganz egal.

Falls die Wahlbeteiligung eines Tages nur noch bei 10 Prozent liegen sollte, ändert dies an den Verhältnissen im Land auch nichts. Es wird weiter heißen, der Wähler sei schuld, er bräuchte ja nur zu Wahl gehen. Verschwiegen wird dabei, dass der Wähler einmal zur Wahl ging, dass hohe Wahlbeteiligungen die Regel waren. Nur gebracht hat es nichts. Haben die Deutschen die Überfremdung, den Euro, die EU, den Ausverkauf unserer Heimat, die Öffnung der Grenzen etc. gewählt? Nein, ganz sicher nicht.
Der Wähler ist schuld, damit wird von den wahren Machtverhältnissen im Land abgelenkt. Die Unzufriedenheit in ungefährliche Bahnen gelenkt, man könnte ja was ändern, nur die anderen wollen nicht, die sind Schuld. Die anderen, das sind wir, unseres Gleichen. Da mag jeder selbst beurteilen, inwieweit er Einfluss hat oder auch nicht.

Der Staat als Beute, das genau ist unser Staat und Land geworden, Beute für verkommene, gefräßige, eigennützige Menschen und Gruppen. Unser Land wurde Beute von großartigen Strategen, die es verstehen langfristig zu denken und zu handeln. Uns dagegen wird vorgespielt, die Augenblicksentscheidung, die Wahl beispielsweise, wäre das Entscheidende. Blödsinn.

Die Parteien haben die Macht im Staat übernommen, allerdings nur scheinbar, in Wirklichkeit haben die Leute hinter den Parteien die Macht, die Geldgeber, die Einflüsterer, mächtige Lobbygruppen aus dem In- und Ausland. Die Parteien sind nur Staffage, Politiker sind die, denen man die Schuld in die Schuhe schiebt, die den Kopf hinhalten müssen (manchmal ist dies wörtlich zu nehmen), dafür werden sie fürstlich entlohnt, dürfen sich an uns und durch uns bereichern. Sie sind der Nebel, der die wahren Machtverhältnisse im Land verschleiern soll. Dies wird von uns Deutschen immer mehr erkannt, deshalb die geringe Wahlbeteiligung, mit sinkender Tendenz, deshalb die sog. Politikmüdigkeit, die doch nur Ausdruck dessen ist, dass wir Deutsche die Schnauze voll, den Betrug durchschaut haben und mehr oder weniger intensiv nach Auswegen suchen.
Die meisten ziehen sich in ihr Privatleben zurück, versuchen diese Zeit so gut es geht durchzustehen, arbeiten, zahlen Steuern und warten ab. Warten auf den Tag, der kommen wird, an dem das Maß voll ist, dann wird abgerechnet. Auch dies ist typisch deutsch, wir laufen nicht ständig durch die Straßen und krakeelen rum. Wir haben lange Geduld, lassen Fünfe grade sein, nur eines Tages ist das Maximum der Leidens- und Durchhaltefähigkeit erreicht, dann geht es andersrum.
Ich bin mir sicher, dass dann die Parteien ausgespielt haben und Menschen die es verstehen anzupacken, nicht nur sich selbst sondern auch der Gemeinschaft dienen wollen, vorne dran stehen und versuchen werden ein besseres Deutschland zu schaffen.

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Bitte hierzu auch die Artikelreihe „Zum Thema Wahlen: Ernst Jünger „Der Waldgang“ beachten.

Über Gerhard Bauer

Mittsechziger aus dem Südosten Bayerns, gebürtiger Niederbayer. Bayer mit Leib und Seele. Ehemaliger treuer CSU-Wähler, nun wird taktisch entschieden. Freizeitbeschäftigung: Lesen, Radeln, Garteln und Fischen. E-Post: bayern71 (at) outlook.com
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3 Antworten zu Kommunalwahlen in Hessen – Ein Land steigt ab

  1. Dirk schreibt:

    eines Tages ist das Maximum der Leidens- und Durchhaltefähigkeit erreicht, dann geht es andersrum.

    Ja, genau das ist letzten Sonntag in Baden Württemberg passiert. 12,8% mehr Wahlbeteiligung, CDU-Regierung-seit-ich-denken-kann abgewählt, Rolle rückwärts in Berlin ausgelöst. Lösen Sie das Lobby-Problem, dann lösen Sie alle Probleme.

    Ups, da hab ich mich jetzt wohl auch der Monokausalität schuldig gemacht 😉

  2. Hans schreibt:

    Gerhard, das ist ein großartiger Beitrag, Danke.

    Ich stimme allem zu und weil es so ist, bin auch ich (in Hessen) wieder nicht zur Wahl gegangen, denn mir fällt bei jeder Wahl auf, daß jedes Mal alles schlimmer wird, anstatt besser. Also welchen Sinn sollte es machen, überhaupt noch zu gehen? Ich wußte im Vorfeld, daß wieder Schei……. dabei rauskommt. Ich bin mir auch ganz sicher, daß Wahlbetrug vorn dran steht. Entweder verschwinden Wahlzettel oder auch komplette Wahlurnen oder es wird falsch ausgezählt. Als Bürger darf man ja an einer Auszählung dabei sein, aber nur zum Beobachten. Leider darf man sich dazu aber auch nur in einer gewissen Entfernung aufhalten und sich vor allem nicht äußern. So viel zur Demokratie. Dabei sah ich, wie ein ganz eifriger, wahrscheinlich von der SPD, weil er sonst 10 Wahlzettel der CDU nicht auf den Haufen der SPD gelegt hätte. Plötzlich bemerkte das ein anderer Wahlhelfer, der mit auszählte und wurde richtig böse. Dann nahm er die 10 Wahlzettel wieder runter und legte sie zur CDU. So viel habe ich mitbekommen. Leider verfüge ich nicht über Stielaugen, deshalb konnte ich auch nicht sehen welche Parteien auf den Wahlzetteln angekreuzt waren. Von daher weiß ich aber, was da abläuft. Und wenn so etwas schon passiert, während andere anwesend sind und mit auszählen, dann weiß man auch, wie es erst läuft, wenn nur Gleichgesinnte dabei sind. Das bei jeder Wahl auf jeden Fall betrogen und gelogen wird, daß sich Balken biegen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Also wo soll da der Sinn einer Wahl sein? Diktaturen lassen grüßen.

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